†Nachtwache†

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 Teil 1: Die Suche

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Adamanteus
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BeitragThema: Teil 1: Die Suche   Sa Apr 05, 2008 8:39 pm

Er musste bereits einige Stunden so gelegen haben, denn als er erwachte, war das Blut, das auf seiner linken Gesichtshälfte verschmiert war, bereits getrocknet. Er bemerkte dies eher unterbewusst, als er seine schmerzende linke Gesichtshälfte abtastete. Langsam öffnete er die Augen und sah das ganze Ausmaß der Zerstörung um ihn herum. Es lagen überall tote Kreaturen herum. Direkt neben ihm ein Elf, der mit schreckgeweiteten Augen in einer riesigen Lache Blut lag. Einige Schritte entfernt zwei ihm völlig unbekannte Zauberer, dem einen fehlte der rechte Arm und auch vom Bein war nicht mehr all zu viel übrig. Der Andere hatte ein, wie nach einer Explosion, geschwärztes Gesicht. Ganz langsam kam die Erinnerung zurück!

Sie sollten einen hochrangigen Schwarzmagier in die tiefen Stollen der Zwergenstadt zum letzten Gericht bringen. Der Trupp bestand aus zwölf Zauberern, 25 Elfenkrieger, etwa 50 Zwergen und zwei Transportdrachen. Kurz vor der Passhöhe hatte man ihnen anscheinend aufgelauert und sie überfallen.

Er schaute sich verzweifelt um. Insgesamt zählte er 37 Tote. Ein Drache lag sterbend auf der Seite, der andere war verschwunden. Doch wo war der Karren auf dem der Schwarzmagier angekettet war. Er konnte ihn erst nicht entdecken, so dass er sich entschloss den Weg des Passes in beiden Richtungen abzusuchen. Etwa 200 Meter weiter lag das Gefährt auf die Seite gekippt da. Die Kette mit der der Schwarzmagier gebunden war lag zerstört daneben. Von dem Gefangenen gab es keine Spur. Sollten die jahrlangen Entbehrungen, welche er auf der Suche nach den magischen Artefakten, welche zur Festsetzung des bösen Schwarzmagiers notwendig waren, umsonst gewesen sein. Er lies verzweifelt die Schultern hängen und machte sich auf den Rückweg in die Zaubererhochburg Ricksxerod. Er musste vor den hohen Rat gelangen um von der Flucht des Schwarzmagiers zu berichten. Sollten die hohen Magier beraten was zu geschehen habe.
Mit diesen Gedanken wand er sich ab und machte sich auf den Rückweg!

Jeder Schritt auf dem Rückweg schmerzte ihn. Aber schlimmer als der körperliche Schmerz war die Enttäuschung über sein Versagen. Er gehörte zu den wenigen Menschen, die den siebenten Zauberrang erreicht hatten und damit befähig waren für den hohen Rat der Zauberer als Wächter zu arbeiten. Er hatte das Kommando geführt und er hatte auf dem Pass versagt. Viele waren gestorben, Freunde deren Familie er kannte. Er musste, wenn er zurück war, ihnen die traurige Nachricht von dem Tot ihrer Lieben überbringen. Er hasste sich und am liebsten hätte er sich eine Klippe hinuntergestürzt, aber sein Pflichtbewusstsein trieb ihn weiter.
Nach zwei Tagen der Qualen erreichte er die Zaubererhochburg Ricksxerod und begab sich direkt zum hohen Rat. Er beachtete die Wachen nicht und trat sofort durch die Türe und kniete sich vor dem Rat nieder.
Was rechtfertig dein ungestümes Eintreten, Ranakal?
Mylord Hakserod, der Magier ist entkommen und die Wachen wurden fast vollständig vernichtet! Ich übernehme für das Scheitern die volle Verantwortung.
Im Rate begann ein lautes Rumoren und alle Magier sprachen durcheinander. Es wurde wild gestikuliert und verschiedenste Vorschläge gemacht. Lord Hakserod hob seinen Zauberstab und schlug auf den Boden und gewahrte den Mitgliedern des Rates Einhalt.
Auf Grund des mehrfachen Mordes des Schwarzmagiers Ruxen beantrage ich die Eliminierung des gleichen und der Wächter Ranakal soll den Auftrag durchführen. Gibt es Einwände?
Betretenes Schweigen trat ein. Jeder im Raum wusste, dass die Verhängung der Todesstrafe schon seit vier Generationen nicht mehr erfolgt war. Und allen war klar, dass der Auftrag praktisch auch ein Todesurteil für den Wächter war. Selbst wenn es ihm gelingen würde den Magier zu überwinden, was höchst unwahrscheinlich war, würde er ein Ausgestoßener sein und unehrenhaft aus der Wächtergarde entlassen werden.
Mylord Hakserod, ich nehme euer Urteil an und werde mich sofort auf den Weg machen. Bitte erteilt mir einen Hinweis, wie ich alleine die ungeheure Aufgabe bewältigen soll, an der ein ganzes Wachkommando gescheitert ist?
Gehe und besuchte den Eremiten Santal. Er wird dir einen Hinweis geben, wo du den Langbogen Lymerith finden kannst. Mit diesem Bogen wird es dir möglich sein deinen Auftrag zu erfüllen.
Der Wächter Ranakal erhob sich wortlos und verließ den Rat. Eine Stunden später befand er sich auf dem Weg zum Wald von Lorth.

Vor seinem Aufbruch hatte er die Familie von Fensath und Lagerosch besucht und die traurige Nachricht überbracht, dass seine Freunde, welche ihn eine halbes Leben lang auf allen Wegen begleitet hatten Tod seien. Auch hier wollte er, wie schon vor dem Zaubererrat, die Schuld auf sich nehmen. Doch auch dort wurden ihm nur tröstende Worte zu teil. Er hörte immer wieder, dass sich seine Freunde der Gefahr bewusst waren. Leider verbitterte ihn das umso mehr, so dass er die Stadt nun unbedingt schnellstmöglich verlassen wollte.

Ranakal war nun schon einige Stunden unterwegs und näherte sich dem Wald von Lorth. Die Stadt und die Zaubererfeste Ricksxerod lagen bereits weit hinter ihm. Immer und immer wieder gingen ihm die Worte von Hakserod und auch von Benrick dem Vater seiner beiden toten Freunde durch den Kopf. Er hatte die zurückgekehrten Bilder des Kampfes immer wieder durch seinen Kopf gehen lassen und nach ihrem Fehler gesucht. Die Vorhut war anscheint unbehelligt durch die Passstraße durchgekommen, denn sonst hätten Sie sicher einen Boten zurück geschickt. Sollten sie von dem kleinen Trupp der Zwerge, welche die Vorhut bildete, etwa verraten worden sein? Er konnte sich das nicht vorstellen, denn gerade die Zwerge hatten unter dem Bösen Schwarzmagier Ruxen am meisten zu leiden gehabt. Er hatte viele Zwergenfamilien ermorden lassen um an ihr Gold zu kommen. Das konnte nicht sein. Ihm wollte aber auch einfach keine Lösung des Vorfalls einfallen. Was war nur schief gelaufen?

In seinen Gedanken vertieft merkte er gar nicht wie nah er dem Wald bereits gekommen war. Mittlerweile war es später Nachmittag geworden. Er setzte sich am Waldesrand nieder und labte sich an einigen Brombeeren, welche der frühe Winter noch verschont hatte. Diese edle Frucht erinnerte ihn immer wieder an das Aussehen einer ganz bekannten Perle. Er hatte diese erst einmal gesehen, als er noch auf der Zaubererakademie in der Ausbildung gewesen war. Damals war einst die große Wassermagierin Agonis in eine Vorlesung getreten und hatte eine Expertise über die Perle von Akath gehalten. Er konnte sich zwar nicht mehr an die Zusammenhänge entsinnen, wusste nur noch, dass dieses magische Objekt schon seit Jahrhunderten verschollen sei. An das Aussehen aber, welches Agonis anhand einiger Bilder vermittelte, konnte er sich noch sehr gut erinnern.

Er raffte sein Bündel, da die Zeit nun drängte und beschritte den Pfad in den Wald hinein. Was würde die Zukunft ihm nun bringen. Er wusste es nicht, aber er war fest entschlossen seine Freunde zu rächen!

Über den Wald von Lorth gab es viele mystische Legenden und Sagen. Das Volk fürchtete den Wald, da es dort Geister geben sollte. Ranakal wusste, dass all diese Geschichten nur Hirngespinste waren, da er den Wald bereits mehrmals besucht hatte. Der Erzmagier Hakserod hatte ihn schon mehrmals zum Eremiten gesandt, um Informationen zu erhalten. Der Wald war wunderschön und der Höhepunkt war eine Lichtung mitten im Wald, wo es wunderbare Wasserfälle gab. Die Wasserfälle waren nach dem großen Krieger Besrum aus alten Tagen benannt. Besrum hatte eine Arme von Menschen, Zwergen und Elfen gegen die Trollhorden geführt und diese aussichtslose Schlacht gewonnen. Er wurde im Kampf gegen den Trollführer Trock tödlich verwundet, konnte aber dabei den Trollführer töten, worauf die Trolle in wilder Panik geflohen waren.

Ranakal erreichte die Wasserfälle von Besrum und wollte dort eine kleine Pause machen. Aber schon beim Betreten der Lichtung spürte der Wächter, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Es war zu still an diesem Ort, man hörte nicht die gewohnten Geräusche der Waldtiere. Ranakal näherte sich langsam den Wasserfällen und beobachtete angespannt den Waldrand. Er konnte nichts Außergewöhnliches erkennen, aber es war hier irgendetwas nicht in Ordnung. Plötzlich sah er einen riesigen Rotrock, der aus einem Busch hervorbrach und sich auf ein Reh stürzte. Die riesige Wildkatze tötete das Tier mit einem einzigen Biss und zerrte es in den Wald.

Die Spannung fiel von Ranakal ab. Er ging bis zum Wasserfallbecken und beugte sich nieder um einen Schluck vom glasklaren Wasser zu trinken. Der Sage nach, brachte es Glück von den Wasserfällen von Besrum zu trinken. Gerade als Ranakal sich aufrichten wollte, gewahrte er einen Schatten im Wasser und konnte sich noch im letzten Moment nach hinten fallen lassen. Ein gedungener Mörder landete nur drei Schritte vor ihm im seichten Wasser und führte einen gezielten Schlag gegen seinen Kopf. Dieser tödlichen Attacke war Ranakal nur um Haaresbreite entgangen. Im Rückwärtsfallen hatte er sein Schwert gezogen, es war nicht ausreichend Zeit, um einen Zauber zu wirken und so musste Ranakal sich mit seinem magischen Schwert wehren. Er war zuversichtlich den Kampf schnell für sich zu entscheiden. Niemand konnte einem Wächter mit einem magischen Schwert lange widerstehen. Der Mörder kam mit schnellen Schritten auf ihn zu und holte bereits zum Schlag gegen seine Schulter aus. Ranakal konnte den Schlag im letzten Moment parieren und war total verblüfft, dass das Schwert des Angreifers nicht zerstört worden war. Der Meuchelmörder besaß ebenfalls ein magisches Schwert und drang mit raschen Schlägen auf Ranakal ein. Der Wächter befand sich in der Defensive und es war nur eine Frage der Zeit bis er diesen Kampf verlieren würde.
Seine letzte Chance bestand darin einen Zauber seines Schwertes zu verwenden. Würde er sein Schwert wegwerfen, dann würde das gegnerische Schwert unwiderstehlich angezogen. Es war die einzige Möglichkeit den wütenden Angriffen seines Gegners zu entgehen. Er schleuderte sein Schwert zur Seite und sah wie sein Gegenüber ebenfalls sein Schwert verlor. Hatte er erwartet, dass der plötzlich Entwaffnete überrascht war, wurde er enttäuscht. Blitzschnell zog der Mörder einen spitzen Dolch und warf sich auf den Wächter. Am Boden entbrannte ein wilder Kampf, in dem es Ranakal gelang einen Teil der Maske vom Kopf seines Angreifers zu zerren. Ranakal kam auf dem Rücken zu liegen und der Mörder lang auf ihm. Ranakal spürte zwei Brüste auf seinen Brustkorb drücken. In diesem Moment wurde ihm klar, dass sein Gegner eine Frau war. Die Position zwischen ihnen wäre fast erotisch gewesen, wäre da nicht das Messer nur zwei Zentimeter von seinem Hals entfernt. Ranakal konnte dem Druck der Mörderin standhalten und gewann ein paar Augenblicke, um einen Verteidigungszauber zu beginnen. Dieser Zauber würde ihn eine Zeitlang unverwundbar machen. Genügend Zeit einen Zauber zu erschaffen, um die Angreiferin zu töten. Plötzlich ließ der Druck nach und sie zog sich zurück. Offenbar hatte sie erkannt, dass der Kampf eine ungünstige Wendung genommen hatte.
Sie trat ein paar Schritte zurück und fasste zur verzerrten Maske und zog sie sich mit einem Ruck vom Kopf. Silberblondes Haar fiel ihr bis zu den Hüften herunter und wunderschöne Augen blitzten ihn an. Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen, dann lief sie mit drei schnellen Schritten
zu ihrem Schwert und verschwand im Wald.

Ranakal ließ seinen Verteidigungszauber zerfallen und atmete schwer. Langsam kam er auf die Beine, er war völlig verwirrt. Nicht nur, dass sie ein magisches Schwert besaß, wäre es ihr auch fast gelungen einen Wächter zu töten. Es war undenkbar, dass dies einer Mörderin gelingen konnte. Normalerweise hätte die Meuchelmörderin in wenigen Augenblicken tot sein müssen. Da fiel Ranakal eine alte Legende ein, nach der es eine Meuchelmörderin mit übernatürlichen Kräften geben sollte. Niemand kannte ihr Gesicht, aber es gab unglaublich viele Geschichten über sie. Eltern verwendeten diese Geschichten, um ihre Kinder einzuschüchtern. Ihr Name wurde nur geflüstert, da jeder, der ihn aussprach, Angst hatte, dass sie ihn holte. Der Wächter nahm sein Schwert, putzte sein Gewand ab und machte sich wieder auf seinen Weg.

Nun kannte er das Gesicht der Jaegerin.

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Zuletzt von Adamanteus am Mo Mai 12, 2008 1:41 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Teil 1: Die Suche   Sa Apr 05, 2008 8:39 pm

Es war dunkel geworden! Im Wald sah man die Hand vor Augen nicht und so beschloss Ranakal zu rasten. Auch das war etwas was er in den vergangenen Jahren des Öfteren gemacht hatte. Der Weg bis zu Santal war noch weit und selbst wenn er die ganze Nacht durch den Wald irren würde, nicht zu erreichen. Also macht er Feuer, und aß etwas von der mitgenommenen Wegzehrung. Er hatte dabei wieder jede Menge Zeit über die Begegnung mit der Jaegerin nachzudenken. Was hatte der Überfall zu bedeuten? Wusste sie etwa von der Flucht des Schwarzmagiers Ruxen? Was wollte sie von ihm? Er fand keine Antworten auf seine Fragen, einzig die Überzeugung, dass er auf der Reise nicht sicher sei. Daher entschied er sich, bevor er sich niederlegte, einen seiner besten Verteidigungszauber herauf zu beschwören! Es handelte sich dabei um einen vollkommen simplen Weckzauber. Sollte ein Wesen, welches größer als eine Wildkatze ist, sich mehr als fünfzig Fuß dem Lager nähern, würde er sofort geweckt. Er hatte diesen Zauber noch nie eingesetzt, war nun aber froh diesen zu kennen, um in aller Ruhe die Nacht verbringen zu können! Er zog die Decke enger um sich, da es bereits empfindlich kalt geworden war. Leider konnte er nicht sofort einschlafen und lag noch einige Zeit wach.

In dieser Nacht träumt er einen Traum den er aus seiner Jugend kannte und den er schon unzählige Male geträumt hatte, so dass ihm am Morgen darauf immer ganz unwohl war. Mittlerweile glaubte er, es müsse sich bei dem Traum um eine Prophezeiung handeln.
Er träumte davon auf dem Rücken eines mächtigen Drachens der Königsfeste Êzrógat entgegen zu fliegen. Nach der Landung verlangte er zu dem König Korbang vorgelassen zu werden. Man gewährte ihm jedes Mal diesen Wunsch und er kniete vor dem König nieder. Nach dem dieser in bat wieder aufzustehen, verharrte er weiter demütig auf den Knien und formulierte seine Bitte: „Sire – hiermit möchte ich um die Hand Eurer Tochter Fendal anhalten.“ Der König donnerte ihm entgegen: „Werter Zauberer, ihr wisst genau was ich von demjenigen verlange, der um die Hand meiner Tochter bitte!“ In diesem Moment erhob sich Ranakal und förderte mit einer kurzen Handbewegung das Begehr des Königs hervor und sagte: „Jawohl, Sire! Ihr verlangte dieses Schmuckstück von mir - Die Perle von Akath!“ Ein Raunen ging durch den Thronsaal. Dem König entwich alles Blut aus dem Gesicht und er stammelte immer den gleichen Satz: „So soll es den sein. Nimm meine Tochter zur Frau“.
Wie immer erwachte er auch dieses Mal schweißgebadet aus dem Traum auf. Es musste eine Prophezeiung sein. Als er den Traum das erste Mal geträumt hatte, war er gerade sechs Jahre alt gewesen. König Korbang war gerade erst als Nachfolger seines Vaters ein Jahr auf dem Thron und seine Tochter Fendal war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Mal auf der Welt. Er konnte sich nicht täuschen, denn es war bisher alles wie in seinem damaligen Traum eingetreten, und daher graute ihm vor der Zukunft, auch wenn Fendal ein wunderhübsches Mädchen ist. Er wischte den Traum innerlich beiseite. Er hatte jetzt erst eine andere Aufgabe zu erfüllen.

Er löschte die letzte Glut des Feuers und ging noch einmal an die nahegelegen Quelle zurück, trank einen Schluck und machte sich auf den Weg zum Eremiten.

Gegen Spätnachmittags gelangte er auf die kleine Lichtung, in welcher die Hütte von Santal lag. Er trat an die Tür und noch bevor er die Hand heben konnte, öffnete sich diese. Er begrüßte Santal mit einem Lachen. „Du weist wohl immer ob jemand vor der Türe steht!“ „Ranakal mein guter Junge, wie geht es Dir“. Der Eremit umarmte ihn und bat ihn herein. „Nicht so gut Santal“, erwiderte Ranakal. Der Alte hob das Gesicht und schaute ihn ernst an. „Erzähle mir was passiert ist mein Junge“, wollte er wissen „doch bevor du redest wollen wir erst einmal etwas essen, du siehst wie immer sehr hungrig aus, wenn du zu mir kommst.“ Nachdem sich Ranakal richtig satt gegessen hatte, erzählt er dem Alten ausführlich, was ihm mit dem Schwarzmagier Ruxen auf der Passhöhe widerfahren war. Den Überfall der Jaegerin bei den Wasserfällen erwähnte er ebenfalls und teilte Santal auch erstmalig seinen seltsamen Traum mit. Als er geendet hatte, strich sich Santal durch den langen grauen Bart. „Hmmm – mal sehen was ich dir zu dem Langbogen Lymerith sagen kann. Ich denke, hierzu sollte ich einiges aus meinen Unterlagen herausfinden können. Das dürfte also unser geringstes Problem sein. Der Überfall der Jaegerin erscheint mir allerdings etwas seltsam, und auch deinen Traum kann ich so nicht deuten! Ich denke, hier sollte ich in die Zukunft sehen.“ Er stand auf, ging durch den Raum und öffnete den Deckel einer schwerbeschlagenen Eisentruhe. Er kramte einige Zeit in den Tiefen der Truhe und kam dann mit einer kleinen Kiste zurück an den Tisch. Er stellte diese ab, öffnete wiederum den Deckel und hob eine schwere Glaskugel heraus. „Mal sehen was uns die Kugel von Sympanth zeigen wird“. Mit diesen Worten setzte er sich an den Tisch und starrte tief in die Kugel.

Hoffnungsvoll sah Ranakal dem Alten zu. Sollte er tatsächlich endlich Antworten auf seine Fragen bekommen?

„Wer ist der Mann, Ruxen?“ Die Jaegerin blickte den Magier ruhig an.
„Er ist irgendein Wächter des Großen Rates!“ Ruxen sagte dies so beiläufig als spreche er über das Wetter.
„Er ist nicht irgendein Wächter des Großen Rates, dafür ist er zu mächtig! Wer ist der Mann?“
Die Jaegerin blinzelt den Schattenmagier böse durch ihre Maske an. Der wendet sich zum Fenster und blickt in die Nacht hinaus. Langsam beginnt er zu sprechen.
„Er ist Ranakal, der erste Wächter des Erzmagiers Hakserod. Er hat den siebenten Zauberrang und hat mich gefangen. Am Pass konnte ich ihm entkommen und nun hat er den Auftrag mich zu töten.“ Der Wind zerrte an den Vorhängen und Ruxen schloss das Fenster.
„Wie ist es dir gelungen ihm zu entkommen?“ Die Neugier war in der Jaegerin erwacht. Es war ihr ein Rätsel, wie Ruxen dem Wächter entkommen konnte.
„Sagen wir einmal, ich hatte Hilfe und er hat es nicht erwartet.“
Instinktiv griff Ruxen sich zur Brust und umfasste einen Gegenstand unter seiner Robe. Der Jaegerin war diese Bewegung nicht entgangen und sie blickte misstrauisch zu der Hand des Magiers.
„Er muss sterben, oder ich werde sterben, darum ist dieser Auftrag so wichtig!“ Ruxen war sichtlich erregt.
„Ich werde den Wächter nicht töten, denn er ist zu mächtig. Gib mir mein Silber und ich gehe!“ Die Spannung im Gespräch war mehr als deutlich. Die Jaegerin war fest entschlossen ihren Lohn mitzunehmen.
„Du hast ihn nicht getötet und damit bekommst du auch dein Talent Silber nicht. Führe deinen Auftrag aus und ich werde dich bezahlen!“ Die Worte des Magiers kamen nicht so sicher über seine Lippen, wie er sich es gewünscht hätte.
Du hast mir nicht die Wahrheit gesagt, ich sollte dich töten. Nur mein Silber wird mich davon abhalten, dich nicht auf der Stelle ins Jenseits zu befördern!
Wieder fuhr die Hand von Ruxen instinktiv zur Brust, da die Jaegerin zwei Schritte auf ihn zugemacht hatte.
Ich gebe dir zwei Talente Silber, wenn du ihn tötest! Der Schwarzmagier wurde sichtlich aufgeregter.
Ich werde ihn für kein Silber dieser Welt töten. Er ist zu mächtig! Gib mir das Silber und ich gehe. Die Jaegerin näherte sich dem Schwarzmagier bedrohlich.
Ich gebe dir ein Talent Gold, wenn du mir seine Leiche bringst!
Die Augen der Jaegerin weiteten sich. Ein Talent Gold würde sie in die Lage versetzen, ihren Beruf aufzugeben. Sie tötete nicht gerne und ein Talent Gold war mehr als so mancher Fürst besaß.
Besitzt du überhaupt so viel Gold, Ruxen? Das überraschte Gesicht der Jaegerin wechselte schlagartig zu einem misstrauischen.
Ich kann es auftreiben und bis du ihn getötet hast, werde ich es besitzen! Der Magier wurde wieder zuversichtlicher, da er merkte, dass er die Jaegerin mit dem Gold geködert hatte.
Wo kann ich den Wächter finden? Nach meinem letzten Kampf habe ich seine Spur verloren.
Er wird sich zum Eisdrachen Frixxen begeben. Es gibt dort etwas von großem Wert für ihn. Dort kannst du ihn töten!
Die Jaegerin blickte ihn wenige Augenblicke an und nickte unmerklich mit dem Kopf! Dann drehte sie sich wortlos um und verließ den Raum.

Auf der Straße öffnete sie ihre Maske und strich ihr langes, schwarzes Haar glatt. Es war wieder einmal gut ihre natürlich Haarfarbe zu verwenden, meistens änderte sie in Kämpfen ihre Haarfarbe mittels eines Zaubers um den Gegner bei Verlust ihrer Maske zu täuschen, wie auch den Wächter, der sicher hauptsächlich das silberblonde Haar wahrgenommen hatte.

Sie machte sich auf den Weg zum Schiefen Turm, um dort nach einer berüchtigten Kollegin von ihr zu suchen. Diese Mörderin war wegen ihrer Rücksichtslosigkeit und Verschlagenheit bekannt. DarkAngel war ihr Name, aber nur wenige kannten diesen Namen. DarkAngel kämpfte am liebsten mit einem Messer und war darin eine wahre Meisterin. Ein Talent Gold würde auch für zwei reichen und niemand außer ihr wäre verrückt genug den Wächter Ranakal anzugreifen.

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Zuletzt von Adamanteus am Mo Mai 12, 2008 1:42 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Teil 1: Die Suche   Mo Apr 14, 2008 2:40 pm

Es waren bereits einige Tage seit dem seltsamen Nachmittag vergangen. Ranakal erinnerte sich, wie erwartungsvoll er gewesen war. Santal hatte in seiner Glaskugel nach den Lösungen des Problems geforscht und war nach wenigen Minuten urplötzlich mit schreckgeweiteten Augen über der Kugel zusammengebrochen. Ranakal war erschrocken zurückgewichen und wusste im ersten Moment nicht was das alles zu bedeuten hatte. Er schleppte den Alten zu seinem Lager und bettete ihn. Santal war seitdem nicht wieder richtig zu Bewusstsein gelangt. Ranakal blieb nichts übrig als im hin und wieder ein wenig Wasser einzuflößen, wenn der Alte kurz im Wahn einige Sätze prabelte und dann wieder in den tiefen Dämmerzustand zurück fiel. Heute war bereits der vierte Tag nach dem Vorfall und Ranakal nutzte die Zeit für den Eremiten neues Holz zu hacken und vor der windschiefen Hütte aufzustapeln. Als er eine kurze Pause machte, öffnete sich plötzlich die Tür der Hütte und Santal stand mit zittrigen Knien vor ihm. Ranakal eilte zu ihm und stützte ihn. Santal flüsterte leise: „Komm rein mein Junge, wir haben einiges zu besprechen bevor du los musst“, und man sah ihm selbst dabei an, welche Kraftanstrengung es ihn kostete. Ranakal half ihm zurück in die Hütte. „Meinetwegen darfst du mir alle wichtigen Dinge erzählen, aber vorher musst du dich stärken“, doch bevor sich Ranakal abwenden konnte, hielt ihn Santal sanft am Arm. „Dafür haben wir jetzt keine Zeit! Wahrscheinlich hast du sowieso schon zu viel wertvolle Zeit verloren, also lass mich erklären. Ich komme danach schon alleine zu Recht!“. Ranakal setzte sich dem Alten gegenüber. „Gut - dann lass hören, was dich so zu Tode erschreckt hat!“ Santal blickte ihm traurig in die Augen: „Das kann ich dir leider nicht sagen. Nur soviel, es liegt sehr viel in deinen Händen. Die Zukunft ist sehr verschwommen und in Bewegung, aber ich habe einen möglichen Ausgang gesehen, welchen ich nicht erleben möchte. Du solltest dich daher beeilen deine Aufgabe zu erfüllen. Zu viel hängt davon ab, den bösen Magier Ruxen zu fassen!“ „Aber wie - Hakserod meinte ich müsse den Langbogen Lymerith finden. Ich habe aber nach wie vor keine Ahnung wo sich das magische Artefakt befinden soll!“ „Das kann ich dir sagen. Du musst den Eisdrachen Frixxen finden. Er bewacht diesen, im Auftrag des ehemals größten Zauberers Dolgarth, der als Gründer des hohen Zaubererrates damals von den dunklen Schwarzmagieren in einem sehr ungleichen Duell gestellt und ermordet wurde. Frixxen war damals sein Drachen, welchen er wie bereits gesagt mit der Bewachung beauftragte und er wird diesen Auftrag bis in den Tod erfüllen!“ „Aber wie soll ich dann an diesen herankommen – ich möchte den Versuch ungern mit meinem Leben bezahlen?!“ Wieder blickte Santal kurz zu ihm herüber. „Indem ich dir die Losung hierfür verrate! Wenn du dem Eisdrachen gegenübertrittst, dann sprich die magischen Worte ‚Dêchá bel Âmyxêstrì’ und der Drache wird dir nicht nur den Bogen überlassen sondern im Kampf auch dein Verbündeter sein. Bringe den Bogen dann auf dem schnellsten Weg zu Hakserod. Er wird die weitere Vorgehensweise, welche die Prophezeiung von Dolgarth vorschreibt, wissen. Nun packe und beeile Dich. Der Weg in das nördliche Grenzgebirge Frognakk ist weit und beschwerlich.“ Ranakal stand zögernd auf: „Und was wird aus dir und vor allem auch aus den Träumen die ich seit Jahren immer wieder durchlebe? Möchtest du mir hierzu gar nichts sagen?“ „Ich sagte bereits dass ich klar komme. Mach dir bitte um mich keine Sorgen. Du wirst deine ganze Aufmerksamkeit für das Vorhaben benötigen! Sobald du dieses erfüllt hast, erwarte ich dich wieder und wir können uns deinem seltsamen Traum widmen. Ich werde versuchen bis dahin mehr darüber herauszufinden, denn ich denke dass alles zusammen hängt. Aber das nutzt alles nichts, wenn es uns nicht gelingt Ruxen zu stoppen!“

Als Ranakal gepackt hatte, verabschiedete er sich von Santal. „Ich hoffe wir werden uns wieder sehen!“ „Das werden wir sicher mein Junge, und nun mach dich auf den Weg.“ Sie umarmten sich kurz und Ranakal macht sich wieder auf den Weg in den dichten Wald von Lorth. Sein nächstes Ziel würde der schiefe Turm Krimziêl sein, welcher im nördlich Randgebirge Frognakk lag. Nach Santals Aussage sollte er dort oder in den nahegelegenen Höhlen den Drachen finden. Wieder drehten sich seine Gedanken um seine Zukunft und was diese ihm wohl bringen würde.

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Zuletzt von Adamanteus am Mo Mai 12, 2008 1:44 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Teil 1: Die Suche   So Apr 20, 2008 11:30 pm

Auf den Weg zum Gebirge Frognakk lag die Stadt Karathon. Es war die Hauptstadt des Distriktes Frog. Diese Stadt war sehr alt und hatte viele Kriege mit den Eisriesen durchgestanden. Jahrhunderte sind die Riesen gegen die Mauern der Stadt angerannt und doch gelang es ihnen nie, sie zu erstürmen. Im letzten Krieg, vor mehr als hundert Jahren, war Roxx, der Anführer der Eisriesen, gefallen und seitdem waren die Riesen nicht mehr wiedergekehrt. Man behauptete, sie haben sich weit in den Norden zurückgezogen und verhandeln dort, wer der neue Anführer sein soll.

Ranakal selbst war noch niemals in Karathon gewesen und kannte die Stadt nur von Zeichnungen aus den Büchern der Bibliothek von Ricksxerod. Als er nun der Stadtmauer gewahr wurde, blieb ihm fast der Atem stehen. Der Wall erhob sich mehr als 40 Schritte hoch und war alle hundert Schritt mit einem Wehrturm besetzt. Auf der Mauer waren riesige Katapulte platziert und Soldaten marschierten die Mauer entlang. Man hatte das Gefühl, als erwarteten die Einwohner von Karathon jeden Moment, dass die Riesen auf der Ebene auftauchten und auf die Stadt losstürmen würden. Ranakal passierte das Haupttor, nachdem die Soldaten ihn als den Wächter erkannt hatten, ohne Probleme. Die Innenstadt glich jeder anderen großen Stadt. Viele Menschen, enge Gassen, Händler die Ware anpriesen, Dirnen mit unschicklichen Angeboten, Müll der einen bestialischen Gestank verbreitete, Bettler die versuchten einige Münzen zu erhaschen, Mütter die ihre Kinder suchten und Düfte, die einem die Sinne raubten. Ranakal hatte bereits von dem großen Gewürzmarkt der Stadt gehört. Er genoss die Vielfalt der Gerüche, schloss für einen Moment die Augen und atmete tief ein.

Als er die Augen wieder öffnete sah er zwei schreckensgeweitete Augen und es blieb ihm nicht einmal die Zeit seine Augen wieder zu schließen. Der Aufprall war hart und riss ihn von den Beinen. Er lag auf dem Rücken und ein junges Mädchen zappelte auf seiner Brust. Sie blickte in schmerzverzerrt an und sprang wieder auf die Beine. Von hinten wurde sie grob von einem Mann am Arm gepackt.
"Habe ich dich Diebin! Jetzt wirst du deinen Arm verlieren!" Das Gesicht des Mannes war hassverzehrt.
"Lass mich los, du Idiot! Ich habe dir nichts gestohlen!" Das Mädchen versuchte sich vergeblich aus dem Griff des Mannes zu befreien. Aber der Mann offensichtlich zu kräftig.
"Und was ist mit dem Brot in deiner Hand?" Die Diebin blickte dem Mann ins Gesichte und zeigte keine Reue.
"Das hast du mir doch geschenkt!" Der Mann verrehte die Augen und blickte zum Himmel, dann begann er das Mädchen mit sich zu zerren.
"Nichts da! Jetzt bringe ich dich zu den Soldaten!"
Inzwischen hatte Ranakal sich erhoben und seine Kleidung geordnet. Er wandte sich dem Mann zu, der offensichtlich ein hiesiger Bäcker war.
"Ich werde dich für dein Brot bezahlen!" Der Mann blickte Ranakal abschätzend an.
"NEIN! Sie kommt zum Scharfrichter und verliert ihren Arm. Misch dich nicht in Angelegenheiten ein, die dich nichts angehen, Fremder!"
Ranakal schwang seinen Mantel zurück und auf seiner Brust kam das Wappen des Zauberrat von Ricksxerod zum Vorschein. Der Bäcker erkannte das Wappen sofort und wusste, dass ein Wächter vor ihm stand. Er wich einen Schritt zurück und wollte zu sprechen beginnen.
"Ich gebe dir einen Kupferdenar für das Brot und das ist sehr viel mehr als es wert ist. Dafür werde ich das Mädchen mit mir nehmen und sie einer Bestrafung zuführen." Der Bäcker ließ das Mädchen los und wendete sich Ranakal zu.
"Danke Herr, das ist sehr großzügig. Es tut mir Leid, dass ich euer Ehren nicht sofort erkannt habe."
Der Mann nahm das Geld und verschwand in der Menge, nicht ohne die Grimassen des Mädchens über sich ergehen zu lassen.
Ranakal wendete sich dem Mädchen zu und betrachtet sie genauer. Sie war ausgesprochen schön, hatte langes Haar und wunderschöne Augen. Um ihren Mund spielte ein spöttisches Lächeln und sie blickte ihn ohne Angst an. Sie war schmutzig und in Lumpen gekleidet, die aber irgendwie falsch an ihr aussahen.
"Wie heißt du Mädchen und warum bestiehlst du brave Bürger?" Das Mädchen strahlte ein starkes Selbstbewusstsein aus, dass Ranakal schon fast unheimlich war.
"Mein Name ist Elenore Feene, aber meine Freunde nennen mich Elfee und der Bäcker ist ein Idiot."
Sie strahlte Ranakal an und plötzlich trat sie ihn mit aller Kraft ans Schienbein. Vom Schmerz abgelenkt, verlor er das Mädchen kurz aus den Augen und es verschwand in der Menge. "Ein toller Wächter bin ich, jetzt entkommt mir schon ein unbewaffnetes Mädchen! Wenn ich so weitermache, werde ich bald auf Hunde aufpassen." Er rieb sich sein schmerzendes Bein und machte sich auf den Weg, seine Vorräte zu ergänzen.

Wenige Tage später erreicht Ranakal das Randgebirge Frognakk. Von weitem sah er schon den schiefen Turm Krimziêl. Dieser Wachturm war von den Riesen im letzten großen Krieg überrannt worden. Die Menschen hatten darauf verzichtet ihn wieder in Stand zu setzen. Nach einem Erdbeben hatte sich der Wachturm bedrohlich geneigt. Er durchquerte einen kleine Fluss und fand schnell die Höhle des Eisdrachen. Er blieb hundert Schritte vor der Höhle stehen und rief mit lauter Stimme.
"HIER IST RANAKAL, DER WÄCHTER UND WÜNSCHT DEN EISFRACHEN FRIXXEN ZU SPRECHEN."
Schon glaubte Ranakal, dass seine Worte nicht gehört wurden, als plötzlich der Boden vibrierte. Aus der Höhle schoss eine weißblaue Masse auf ihn zu und er wäre bestimmt überrannt worden, hätte der Drache nicht im letzten Augenblick angehalten und seine Flügel aufgefaltet. Ranakal starrte den Drachen an, ohne fähig zu sein sich zu rühren.
Allein sein Kopf hatte die Größe eines Fuhrwerkes und die Flügel verdunkelten die Sonne. Seinen Rücken liefen zackige Dornen hinunter, die in einem langen, dreieckigen Schwanz endeten. Die Hinterbeine waren mit riesigen Krallen versehen, jede groß wie ein Schwert. Der ganze Drachen war weiß blau gefärbt und erinnerte an die Urgewalt einer Lawine. Ranakal war zutiefst erschüttert und es kamen ihm Zweifel daran, ein solches Tier mit einem Zauber zu binden.
"WER IST RANAKAL, DER WÄCHTER, DASS ER GLAUBT FRIXXEN IN SEINER RUHE STÖREN ZU DÜRFEN?"
Ranakal besann sich auf die Worte von Santal und brüllte den Drachen als Antwort die Zauberformel entgegen.
"Dêchá bel Âmyxêstrì"
Der Drache legte den Kopf schief und sah Ranakal überrascht an.
"Weißt du was diese Worte bedeuten, Wächter?"
"Sie binden dich an mich und du musst mir gehorchen. Also gehorche und gib mir den Langbogen Lymerith!"
Der Drache hob seinen Kopf und ein schauriges Lachen entrann seiner Kehle.
"Du Narr! Die Bedeutung der Worte in deiner Sprache ist, 'Ich gebe mein Leben für dich!' und ich müsste mit den Worten, 'So wie ich mein Leben für dich gebe!' oder besser 'Dêchi bel Âmyxêstrìn' antworten. Du hast recht, der Spruch würde mich binden, aber ich habe den Spruch schon einmal gehört und ein Drache kann nur einen Herren haben. Hast du deinen Frieden gemacht, Wächter, denn nun wirst du sterben!"
Der Drachen hob den Kopf, um auf Ranakal niederzustoßen und der Wächter hatte sich mit seinem Tod bereits abgefunden!
"FRIXXEN, LASS DAS!"
Der Drache verharrte wie von Blitz getroffen und wenige Augenblicke später, senkte er friedlich seinen Kopf.
"Wie ihr wünscht, meine Herrin!"
Ranakal blickte in die Richtung der Stimme und sah das junge Mädchen vom Markt. Staunend starrte er sie an, als sie leichten Schrittes an ihm vorbeieilte und in der Höhle des Drachen verschwand. Wenige Minuten später erschien sie in einem hautengen, schwarzen Lederanzug. In der Hand trug sie eine Peitsche und an der Seite ein Kurzschwert. Über ihre Schulter ragte der Langbogen Lymerith heraus und sie trug einen silbernen Stirnreif, der mit Runen verziert war. Ranakal hatte sich inzwischen etwas gefangen und richtete sein Wort an sie.
"Hallo Elfee, schön dich zu sehen!"
"Nur Freunde nennen mich Elfee. Ich bin Eleonre Feene, die Drachenreiterin, und nicht deine Freundin. Also sprich geschwind, warum du den Langbogen begehrst oder Frixxen wird dort fortfahren, wo ich ihn aufgehalten habe." Bei ihren Worten blitzen die Augen des Drachen in freudiger Erwartung.
"Mylady Drachenreiterin, ich begehre den Bogen, um den Magier Ruxen zu töten. Er hat viele Lebewesen getötet und muss seiner Bestrafung zugeführt werden."
"Was kümmert mich Ruxen! Frixxen, der Wächter gehört dir!"
Die Drachenreiterin wandte sich zum Gehen und der Drachen machte einen Schritt nach vorne. Von Panik erfasst rief Ranakal:
"ER HAT AUCH EINEN DRACHEN GETÖTET!"
Der Drachen hielt in seiner Bewegung inne und seine Augen weiteten sich vor Schrecken. Die Drachenwächterin blieb wie angewurzelt stehen. Langsam drehte sie sich zu Ranakal um und in ihren Augen funkelte der pure Hass. Sie schritt auf den Drachen zu und begann seinen Rücken hinaufzuklettern. Sie schaute zu Ranakal zurück und rief ihm zu.
"Beeile dich Wächter, der Magier Ruxen muss sterben und ich bin eine ungeduldige Frau!"
Kurze Zeit später hatte Ranakal den Drachenreitersitz erreicht. Er war in einem Rückendorn des Drachen rein geschnitten und bot genügend Platz für zwei Personen.


"Nicht jetzt, es ist nicht der richtige Moment!"
Die Jaegerin verbarg sich nahe der Lichtung und hatte die ganze Szene beobachtet. Sie blickte in die blutunterlaufenen Augen von DarkAngel und hoffte inständig, dass sie sich wieder beruhigte. DarkAngel hatte mit ihrer Faust das lange Messer umklammert und ihr Atem ging schnell. Sie wirkte wie in Trance und jeder Muskel ihres Körpers war gespannt. Die Jaegerin legte die Hand auf ihre Schulter, um sie zu beruhigen. DarkAngel zog blitzschnell das Messer und die Jaegerin wich erschrocken zurück.
"Fass mich nicht an! Oder ich werde diesen Auftrag alleine zu Ende bringen!"
Inzwischen hatte der Drachen seine mächtigen Schwingen ausgebreitet und begann sich in die Luft zu erheben. Es war zu spät, um noch eine Angriff zu starten. Der Atem von DarkAngel beruhigte sich und die Jaegerin blickte nachdenklich ihre Gefährtin an. War es die richtige Entscheidung, Dark Angel in dieses Unternehmen einzubinden?
Ranakal war entkommen! Gut, sie wusste wo sie ihn finden würde, aber würde Ruxen noch lange genug leben, dass sie ihren Vertrag erfüllen konnte? Sie stand wortlos auf, drehte sich um und begann in die Richtung zu laufen, in die der Drache verschwunden war. Zwei Schritte hinter ihr folgte DarkAngel.

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BeitragThema: Re: Teil 1: Die Suche   Di Apr 29, 2008 8:48 am

Als sich der Drache erhob, stieg ein unglaubliches Hochgefühl in Ranakal empor. Sein ganzes Leben hat er sich nicht sehnlicher gewünscht als auf dem Rücken eines der wundervollsten Geschöpfe fliegen zu dürfen. Die mächtigen Schwingen sorgten schnell für eine halsbrecherische Höhe und die Reisegeschwindigkeit war enorm. Leider war es nicht möglich sich zu unterhalten. Der Wind dröhnte in seinen Ohren, was ihn aber nicht weiter störte! Er saugte die Empfindungen des Fliegens in sich auf und genoss die Aussicht. Unter ihnen zogen Wälder und Wiesen vorbei, kleine Siedlungen und etwas entfernt lag die Stadt Karathon. Erst jetzt wurden ihm die Ausmaße diese Feste gewahr. Im Süden der Stadt sah man deutlich das mächtige Tor mit seinen beiden eisenbeschlagenen Eichentüren und den beidseitig errichteten Türmen, welche im Kriegsfalle mit hunderten von Kriegern besetzt werden konnten. Auch die Stadtmitte war sehr gut zu erkennen, denn um den großen Platz waren alle wichtigen Gebäude angeordnet, wie die Burg, die Kathedrale und die Gildenverwaltung der nördlichen Grafschaften. Ranakal schätzte die Einwohnerzahl auf mehrere zehntausend Personen, denn allein die Kasernen von Karathon beherbergten seiner Information zu folge viereinhalb tausend Fußsoldaten und etwa achthundert Berittene. Diese Zahlen beruhigten ihn oft, wenn er an die Heere der Schwarzmagischen dachte. Ein solcher Verbündeter war im Falle eines Krieges Gold wert.

Plötzlich sackte der Drache weg und ging in einen dramatischen Sinkflug über und landete auf einer kleinen Lichtung mitten im Wald Lorth. Als sie gelandet waren, drehte sich Elfee um und sagte: „Wir können so nicht weiterfliegen!“
„Warum?“ wollte Ranakal wissen.
„Hast du sie nicht gesehen?“
„Nein was?“
„Was bist du nur für ein Wächter? Der gesamte Horizont ist voll von ihnen!! Raben – sie spionieren ständig für die Schwarzmagier. Ich glaube, du musst noch einiges lernen.“
„Haben sie uns entdeckt?“
„Nein, ich glaube nicht. Ich habe Frixxen gebeten sofort runterzugehen, als ich sie sah.“
„Verzeih - ich war in Gedanken. Mylady Feene...“
Weiter kam Ranakal nicht. Elfee unterbrach ihn! „Nenn mich nicht Mylady.“, sagte sie wütend und sehr bestimmt.
Ranakal sah sie an und meinte: „Mylady also nicht, aber Elfee dürfen dich nur deine Freunde nennen! Wie soll ich dich denn dann ansprechen?“
Elfee blickt verlegen zu Boden: „Danke, dass du mir in Karathon geholfen hast! Ich würde sagen, wir schließen jetzt erst mal Freundschaft, denn wir werden wohl längere Zeit miteinander verbringen. Somit hätte sich das mit der Anrede auch erledigt.“
„Du kannst mich Sirth nennen. Also Elfee, kann Frixxen auch bei Dunkelheit fliegen?“
„Selbstverständlich – Drachen haben wesentlich besser Augen als Menschen und auch als Zauberer!“
„Dann lass uns im dichteren Wald ein Lager aufschlagen und erst bei Dunkelheit weiterfliegen.“
„REITEN!“ donnerte es von hinten. Ranakal wirbelte erschrocken herum und Frixxen sagte erneut: „Reiten.“
„OK – dann reiten und danke für die Belehrung.“
Frixxen schnaubte zufrieden.
Sie schlugen sich schweigend ins Dickicht, wobei der Drache vorausging und eine breite Schneise ins Unterholz zog. Da die Bäume hier aber sehr hoch und mit mächtigen Kronen gewachsen waren, konnte man sie von oben nicht sehen. Sie ließen sich an einem kleinen Bach nieder und tranken gierig von dem kühlen Nass.
„Wer hat dich eigentlich geschickt?“ wollte Elfee wissen.
„Der Hohe Rat oder besser Mylord Hakserod persönlich.“
„Ah, Onkel Pedo also.“
„Wie Onkel? Du bist mit Hakserod verwand?”
„Das ist nicht wichtig! Aber was mich interessieren würde, ist wieso Ruxen entkommen konnte, wo Onkel Pedo doch so große Stücke auf dich hält!“
„So tut er das! Also wieso er entkommen konnte, kann ich dir nicht wirklich sagen. Alles was ich habe sind nur Vermutungen!“ Ranakal blickte in die bezaubernden Augen von Elfee und begann die gesamte Geschichte erneut zu erzählen. Es viel ihm immer wieder aufs Neue schwer, da er den Verlust seiner Freunde immer noch nicht überwunden hatte. Sie sah ihm an, wie schwer es ihm fiel über das Geschehene zu reden. Als er mit der Geschichte vor dem hohen Rat geendet hatte fragte sie ihn, ob er irgendetwas Ungewöhnliches auf dem Weg nach Karathon bemerkt hätte. Ranakal überlegte kurz und erzählte ihr dann von zwei Begebenheiten. Zum Einen vom Zwischenfall mit der Jaegerin, zum anderen die Begebenheit mit der Zukunftsdeutung von Santal. Elfee’s Züge verhärteten sich: „Ich sehne die Dunkelheit herbei, denn das was du mir erzählt hast, lässt darauf schließen das wir sehr wenig Zeit haben. Ich sagte dir bereits, dass ich eine ungeduldige Frau bin. Wenn jemand noch ungeduldiger ist, dann ist es die Jaegerin, welche äußerst selten einen Auftrag nicht zu Ende bringt, und ich denke dir ist klar was das bedeutet!“ Ranakal schluckt sichtbar und schaute zum Himmel. „Noch etwa eineinhalb Stunden bis die Sonne weit genug gesunken ist, um den Himmel in ein tiefes Schwarz zu tauchen und uns unsichtbar werden zu lassen. Wir sollten die Zeit nutzen und uns austauschen! Ich habe für meinen Teil schon einiges erzählt aber du bist mir gänzlich unbekannt, und ich wüsste doch sehr gern, wer die bezaubernde Person ist, die sich Elfee nennt. Erzähl mir doch bitte etwas von dir.“ Sie setzten sich einander gegenüber und Ranakal lauschte staunend.

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Zuletzt von Adamanteus am Mo Mai 12, 2008 1:47 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Teil 1: Die Suche   Mi Mai 07, 2008 12:43 am

„Ich wurde im Jahre 92 nach dem großen Sieg über die Eisriesen im Dorf Flankon, nahe der Stadt Karathon geboren. Meine Eltern waren beide Drachenreiter, was sehr selten ist, da man von einem Drachen erwählt werden muss. Die Geschichte mit dem Zauberspruch, der den Drachen bindet, ist eine alte Legende, die von den Drachen am Leben erhalten wird. Wenn der Drache dich nicht erwählt, dann bist du tot, mit oder ohne Zauberspruch.“
Ranakal wendete sich zum Drachen und ihm schien als würde der Drache schmunzeln.
„Manch einer hat auch Glück, aber darauf sollte man sich nicht verlassen.“
Elfee lächelte Ranakal an und dieser wendete beschämt das Gesicht zum Boden.
„Mein Vater erzählte immer, dass er meine Mutter bei einem Wettkampf im Drachenreiten kennenlernte. Er sagte, dass er sie auf ihrem Drachen und sah, wie ihr langes, schwarzes Haar vom Wind hochgepeitscht wurde und es war auf der Stelle um ihn geschehen. Ich habe meine Eltern oft nach dem Ausgang des Wettkampfes gefragt und immer nur ausweichende Antworten bekommen. Mein Vater pflegte zu sagen, so ein Wettkampf sei nicht wichtig und meine Mutter faselte immer etwas von, man muss konzentriert sein, wenn man mit dem Drachen eine schnelle Wendung fliegt. Dabei lächelte sie meinen Vater an und damit war das Thema erledigt.
Mein Leben war wundervoll und ich wuchs in Liebe auf, bis zu der Sonnwendfeier im Jahre 108. Es war wie jedes Jahr ein wunderschönes Fest und die Sonne senkte sich bereits am Horizont und berührte das Randgebirge Frognakk. Da tauchten am Himmel weit entfernt drei Schatten auf. Sie wirkten wie winzige Vögel, die rasch näher kamen. Meine Eltern sprangen blitzschnell auf und intonierten den Gesang Rysin. Mit diesem Gesang rufen die Reiter ihre Drachen zum Kampf. Die Drachen meiner Eltern waren in wenigen Minuten zur Stelle. Inzwischen waren die Schatten am Horizont enorm gewachsen und man konnte drei riesige schwarze Drachen erkennen. Bei ihrem Anblick bekam ich furchtbare Angst! Ich kannte die Drachen meiner Eltern und es war leicht zu erkennen, dass die nahenden Drachen um vieles größer waren als die meiner Eltern. Ich begann zu weinen, da ich die Hoffnungslosigkeit des bevorstehenden Kampfes ahnte. Meine Mutter nahm mich in die Arme und sprach mir Trost zu. Sie sagte mir, dass ein Kampf nicht durch die Größe des Drachen entschieden wird, sondern durch die Einheit des Reiters und seines Drachen. Sie blickte mir noch einmal tief in die Augen, küsste mich auf die Stirn und lief dann zu ihrem wartenden Drachen. Wenige Augenblicke später waren meine Eltern mit ihren Drachen in der Luft. Die feindlichen Drachen fächerten sich auf und versuchten den Drachen meiner Eltern in die Flanken zu fallen. Aber jetzt erkannte ich die Wahrheit der Worte meiner Mutter. Sie brachten es zu Wege, dass ihre Drachen im Flug ihre Flügel zusammenfalteten und plötzlich wie ein Stein nach unten fielen. Die angreifenden Drachen konnten das Manöver nicht nachvollziehen und verloren kurz den Gegner aus den Augen. Dann breiteten die Drachen meiner Eltern die Flügel aus, flogen einen Bogen und konnten ihrerseits die feindlichen Drachen von unten attackieren. Zwei der schwarzen Drachen wurden mit Feuer angegriffen und tödlich verwundet. Sie stürzten mit ihren Reitern vom Himmel! Das ganze Manöver hatte keine dreißig Sekunden gedauert und plötzlich waren meine Eltern mit ihren Drachen in der Überzahl. Ich atmete auf, denn dieser Kampf konnte nur mehr eine Formsache sein.
Diesmal ließen meine Eltern ihre Drachen kerzengerade in die Luft aufsteigen, ein Manöver, das einen Drachen ungeheure Kraft kostet. Der große schwarze Drache musste die Flugkurve abbrechen und konnte ihnen nicht folgen. Als dies meine Eltern sahen brachten sie ihre Drachen dazu sich nach hinten fallen zu lassen und damit beschrieben sie einen Bogen und kamen hinter dem Drachen in eine optimale Angriffsposition. Beide Drachen sprühten gleichzeitig Feuer und an diesem Punkt sollte der Kampf beendet sein.“
Elfee stockte mit ihrer Erzählung und starrte auf das Feuer. Als sie nach einigen Minuten immer noch nicht weiter erzählte, räusperte sich Ranakal. Elfee schien aus einem Traum zu erwachen und wischte sich eine Träne von der Wange.
„Frage mich nicht warum, aber das Feuer verwundete den Drachen nicht. Es schien als würde er von einem unsichtbaren Schild geschützt. Meine Eltern waren überrascht und konnten gerade noch die Drachen zur Seite ziehen, damit sie nicht in der Luft kolidierten. Sie zogen links und rechts am schwarzen Drachen vorbei. Der riesige Kopf des Schwarzen drehte sich zur Seite meiner Mutter und trennte mit einem einzigen Biss den Kopf ihres Drachen vom Rumpf. Meine Mutter und ihr Drachen stürzten in den Kimbalsee.“
Wieder stockte Elfee und Ranakal dachte schon sie würde ihre Erzählung beenden, da sprach sie wie in Trance weiter.
„Mein Vater kämpfte noch einige Minuten weiter, aber es war offensichtlich, dass er diesen Kampf nicht gewinnen konnte. Bei einem gewagten Manöver meines Vaters gelang es dem Schwarzen die Schwinge des Drachen meines Vaters zu zerfetzen. Damit konnte mein Vater den Drachen nicht mehr in der Luft halten und sie stürzten beide in den nahegelegen Sumpf. Nachdem die Drachen besiegt waren, landete der schwarze Drachen vor unserem Dorf und ein Schwarzmagier stieg ab. Er kam mit schnellen Schritten auf unser Haus zu. Ich griff ihn mit einem Knüppel an und wollte meine Eltern rächen. Er nahm kaum Notiz von mir und machte nur eine rasche Handbewegung in meine Richtung und mich traf ein Wasserbottich am Kopf. Ich verlor das Bewusstsein.
Als ich wieder erwachte, waren der Drache und der Schwarzmagier verschwunden. Ich machte mich auf die Suche nach meinen Eltern. Ich fand meinen Vater schwer verletzt im Sumpf. Nur einige Meter von seinem Drachen entfernt. Der Drache war kaum verletzt, außer der zerstörten Schwinge, die aber schnell wieder heilte. Mein Vater hingegen kämpfte drei Wochen um sein Leben, nur um dann zu erfahren, dass ich meine Mutter nirgends finden konnte. Sie muss auf dem Grund des Sees ruhen.“
Wieder unterbrach Elfee die Erzählung und Ranakal hatte bereits das Gefühl, dass sie beendet sei, als Elfee plötzlich aufsprang und hastig in ihren Taschen zu kramen begann. Sie zerrte eine weißliche Masse hervor und warf einen Teil davon Ranakal zu.
„Schnell stopf dir das in die Ohren! „ DarkAngel richtete sich hinter einem Baum auf und versuchte angestrengt zu lauschen.
Sie begann das Wachs in der Hand zu kneten und stimmte ein Lied an. Ranakal versuchte hektisch seine Ohren zu verstopfen. Er hörte einen tiefen Ton der begann anzuschwellen und sah das Frixxen das Maul zu öffnen begann. Er hatte das Gefühl, dass sein Kopf zerspringen würde und presste mit aller Gewalt die Hände auf seine Ohren.
„Hörst du den Ton, Jaegerin?“
„Ja! So etwas habe ich noch niemals gehört. Ahh, es schmerzt! Halt dir die Ohren zu! Der Drache singt!“
Beide Mörderinnen pressten ihre Hände auf die Ohren, aber der Ton war dermaßen gewaltig, dass sie die Besinnung verloren und bewusstlos auf den Waldboden sanken.
Wenige Augenblicke später entfernte Elfee das Wachs aus den Ohren und gab Ranakal ein Zeichen es ihr gleich zu tun. Ranakal war noch immer ganz benommen von dem Ton, den er vernommen hatte und sah Elfee fragend an.
„Frixxen hat eine Gefahr gewittert, denn sein Schwanz zuckte unruhig. Da habe ich mich entschlossen das Lied Rachanee zu singen. Eigentlich ist es eine völlig harmlose Melodie und erteilt dem Drachen keinen Befehl, aber sie animiert den Drachen mitzusingen. Und niemals sollte man einem singenden Drachen lauschen. Seine Stimme reicht aus, um in einer Umgebung von einer viertel Meile alle Lebewesen zu betäuben. Ich nehme an, dass die Gefahr gebannt ist und da der Morgen langsam dämmert, sollten wir rasch aufbrechen. Wir müssen zur Zaubererhochburg Ricksxerod um mehr über die Prophezeiung von Dolgarth zu erfahren.
„Mein Kopf dröhnt! Was war das, Jaegerin?“ DarkAngel hielt sich mit beiden Händen den schmerzenden Kopf.
„Ein singender Drache! Ich habe bereits davon gehört, aber noch nie selbst einen gehört. Es war grauenhaft und ich dachte mir zerspringt der Kopf.“ Die Jaegerin wirkte mitgenommen und ein wenig orientierungslos.
„War das ihr Drache? Hatten wir sie eingeholt und nun wieder verloren?“
DarkAngel blickte wütend zu Boden und ihre Hand verkrampfte sich am Messergriff!
„Ja, wir haben ihn wieder verloren. Aber niemand hat erwartet, dass es leicht wird. Wir werden reich sein und er wird tot sein. Das drittemal, dass er entkommen ist, aber niemand hat auf Dauer so viel Glück!“
Sie streckte ihre Glieder und begann wieder zu laufen. Wortlos folgte ihr DarkAngel.

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BeitragThema: Re: Teil 1: Die Suche   Do Sep 18, 2008 7:34 am

Hakserod saß in einer dunklen Ecke seines Zimmers und wartete geduldig. Endlich öffnete sich die Tür und es trat ein muskulöser Mann Mitte vierzig ein. Sein sonnengebräuntes Gesicht wies einige ältere Kampfspuren auf. "Ahhh, Bolroog mein Bester." Hakserod stand auf und ging auf den Mann zu. "Mylord, ihr habt nach mir rufen lassen?" Hakserod zeigte auf den Stuhl gegenüber seines Schreibtisches und fuhr fort, "So ist es! Habt ihr Nachricht von den Wächtern?" Bolroog setzte sich und nickte. "Sicher Mylord, bis auf einen." Hakserod winkte ab. "Ich weiß, Ranakal habe ich ja höchstpersönlich beauftragt. Was berichten die Wächter und haben wir auch neue Informationen von unseren Spähern?" " Ja Mylord. Die Wächter sind alle wohlbehalten zurückgekehrt und haben fast überall auch direkt Berater der freien Republiken mitgebracht. Ich denke es hat sich im Reich des Bündnisses herumgesprochen, dass eine Gefahr heraufzieht, die jeden von uns betrifft. Selbst die Elben haben mit Nimbord ihren weisesten Berater mitgesandt, und das will etwas heißen - aber warten wir es ab. Die Spähberichte liegen mir ebenfalls vor. Ruxen schart etliche Schwarzmagier um sich, welche bereits große Truppenkontingente zusammengezogen haben. Was mir besonders wenig gefällt ist, dass er selbst die Trolle überzeugen konnte sich seiner Sache anzuschließen. Mit Verlaub Mylord, es wäre besser den großen Rat heute als morgen zur Beratung zusammenzuberufen." Hakserod sah Bolroog in die Augen: "Mag sein, aber ich muss auf Ranakal warten. Seine Informationen sind zu wichtig als das ich voreilig den Rat informiere und beraten lasse." "Aber wir haben seid Wochen nichts von ihm gehört Mylord. Er ist und bleibt ein unbelehrbarer Einzelgänger, welcher sich nicht an die Regeln der Wächter hält!" Hakserod sah in schmunzelnd an. "Na nun so schlimm ist er sicherlich auch nicht! Allerdings weiß ich nicht, ob ich ihm mit dem letzten Auftrag nicht etwas viel aufgeladen habe!" " Welchen Auftrag haben Mylord ihm denn gegeben, wenn ich fragen darf?" " Ach ich habe ihn nur in die Randgebirge geschickt eine ferne Verwandte von mir zu bewegen sich unserer Sache anzuschließen." Bolroog schaute erschrocken auf: "Mylord, sie haben ihn aber nicht zu eurer Nichte Mylady Feene geschickt?" " Doch genau das habe ich gemacht. Allerdings hätte ich ihn früher zurückerwartet. Ich weiß gar nicht warum er schon fast drei Wochen unterwegs ist. Wahrscheinlich hat er die Tage bei Santal genossen und auf der faulen Haut gelegen." Jetzt war Bolroog alles Blut aus dem Gesicht gewichen:" Ich verstehe nicht was ihr an Ranakal findet. Er eilt seinem Ruf voraus, und nun habt ihr ihn gar wieder zum alten Eremiten gesendet! Das kann nicht auf Dauer gut gehen. Er ist ein Heißsporn.." "Mutig wohl eher" unterbrach ihn Hakserod. "Ich will davon nichts mehr hören. Sammelt bitte die Wächter, sie sollen sich bereit halten und ich möchte sie ebenfalls bei der Ratssitzung mit dabei haben!" " Jawohl Mylord!" Bolroog stand auf und verbeugte sich tief bevor er den Raum verlies. Hakserod sah ihm kopfschüttelnd nach und dachte bei sich, was Ranakal wohl angestellt hatte, dass er bei den Wächtern einen derart schlechten Ruf hatte. Er selbst hielt die größten Stücke auf ihn, und er war sich seiner Sache sehr sicher, dass Ranakal der einzige sein konnte, der die Prophezeiungen erfüllen konnte. Hoffentlich irrte er sich nicht, aber es war einfach alles zu deutlich! Er sollte ihn öfter zu seinem guten Freund Santal schicken, dass er ihm endlich die Augen öffnete und ihm den richtigen Weg weisen würde. So saß er noch lange vor seinem großen schweren Schreibtisch und lies seinen Gedanken freien Lauf und es dämmerte bereits als er sich auf den Weg zu seinen engsten Beratern machte. Hoffentlich würden sie morgen eintreffen. Er konnte, nein er durfte einfach nicht mehr länger warten!

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