†Nachtwache†

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 Wie alles begann...

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Bolearis
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Zirkel : S2 - Jäger der Nacht / S3 - Eternal Silence
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BeitragThema: Wie alles begann...   Mo Nov 24, 2008 6:41 am

In der Zeit vor der Zeit, vor jeglichem Wünschen und Wollen, in der Leere und Weite der Ewigkeit, war zu Beginn alles Sein nur eins und einig. Licht und Schatten, Gut und Böse, Gestern und Morgen, alles existierte nur in dem ersten Funken, der mit seinem Aufglühen eine neue Wirklichkeit in das völlige Nichts brachte. So klein und unbedeutend dieser Funke zu Anfang zu sein schien, so schwach sein Glimmen in dem Schwarz der Leere wirkte, so mächtig war die Kraft, die in ihm ruhte. Denn es war die gebündelte Macht des ganzen Universums, die in den kommenden Zeitaltern das Leben in seiner Vielfalt und Zügellosigkeit auf zahllosen Welten in unendlichen Galaxien aussähen sollte. Es war das stetig heller werdende Licht dieses Funkens, mit dem alles begann.

Und die Kraft dieses Lichts war es, die alle Spielarten der Evolution ermöglichte, Zivilisation entstehen und vergehen ließ, Welten erblühen und sterben sah, alles zusammenhielt und dennoch keine Grenzen kannte. Völker und Rassen entwickelten sich, Königreiche und Dynastien erwuchsen, Wissen und Weisheit wurden erlangt und weitergegeben. Helden wurden geboren, aber auch mächtige Wesen, von denen das Böse Besitz ergriff, suchten sich ihren Weg zur Macht. Denn auch das Böse war Teil der Kraft des ersten Funkens und damit der unweigerliche Schatten des Lichts der Galaxien. Und das Gleichgewicht der Kräfte musste bestehen, da eines ohne das andere nicht existieren konnte. Der ewige Kampf des Lebens selbst musste in Äonen von Jahren die Entscheidung bringen, was die Oberhand behalten sollte. Weder das Eine noch das Andere würde jemals vergehen, und so war für alle Zeiten jedes Wesen, dass das Licht sah, vor die Entscheidung gestellt, ob es darauf zuhalten oder in den lockenden Schatten verschwinden wollte. Denn das war der Kern des Lebens. Seine Freiheit, zu wählen.

Als das helle Licht des Lebens schließlich in all seiner Pracht auf die Reise in die Weiten der Unendlichkeit geschickt war, nach abertausenden von Jahren, hörte der erste Funke auf zu strahlen. Aber er erlosch nicht, denn noch immer war er der Träger aller Kraft, einer Kraft, die das Leben ebenso wieder beenden konnte, wie sie es hatte beginnen lassen und durch Missbrauch anstatt des Lichtes jederzeit Dunkelheit über die eigene Schöpfung bringen konnte. Diese Gefahr bestand stets. Doch in dem Funken ruhte mehr als nur diese Kraft. Es entstand ein Wille, ein Wunsch, ein Bewusstsein, das jener Gefahr gewahr war. Und dieses Bewusstsein, dieser Geist des Lebens, der zum Träger der Kraft wurde, traf jene einzig richtige Entscheidung, für die er erweckt worden war – er musste sich und die Allmacht, über die er wachte, verbergen.

Die Wahl seines Zufluchtsortes fiel auf einen Planeten, auf dem schon zu Beginn der Zeiten ein grausamer Kampf zwischen Gut und Böse zwei mächtige Rassen völlig vernichtet hatte. Jetzt, unendliche Menschenalter später, war dieser Planet ein blaugrünes, lebendiges Kleinod im Zentrum der Galaxien. Und er war verlassen, kein intelligentes Leben wahr mehr auf ihm zu finden, nur ein unerschöpflicher Reichtum an Flora und Fauna, welche in dem Frieden nach den ewigen Kriegen der beiden großen Rassen erblühen konnten.
Alles, was von den großen Kriegern geblieben war, war ein Schloss, eine Burg, errichtet aus mächtigen Steinen, härter als jedes Metall auf den Milliarden von Welten. Einsam stand diese Burg in weiter Ebene und die leeren Augenhöhlen seiner totenkopfartigen Front starrten ausdruckslos in die Ferne und blickten gleichmütig auf Vergangenheit und Zukunft. Weder Wind noch Wetter, nicht einmal die Ströme der Zeit konnten dieser Burg etwas anhaben, denn weise und mächtig waren ihre Erbauer gewesen. Und auch die Wege der Magie, jener formbaren Energie, die Teil jedes Lebens war, hatten sie beschritten, um dieses Bauwerk zu schützen.

Dieses Monument aus längst vergangenen Tagen, dieses Denkmal des ewig alten und neuen Kampfes von Gut und Böse, das über die namenlosen Gräber der in diesem Kampf gefallenen blickte, wählte sich der Geist als Versteck und Zuflucht. Hierhin zog er sich zurück, hier verbarg er sich, fühlte sich geborgen und hoffte, nie entdeckt und vielleicht eines Tages vergessen zu werden. Denn niemals sollte ein Lebewesen von der Macht erfahren, die in diesen mit Moos bewachsenen Mauern ruhte. Weder die eine noch die andere Seite. Vor allem nicht das Böse. Aber auch nicht das Gute. Es sei denn, der Tag würde kommen, an dem...

Doch diese Visionen quälten den Geist und er versuchte sich vor Ihnen zu verschließen. In der Weite und Ruhe dieses Planeten suchte er Frieden zu finden, die Visionen zu zerstreuen, die ihn heimsuchten, die schrecklichen Träume von dem einen großen Kampf und dem Griff des Bösen nach seiner Macht. Sollte es jemals soweit kommen, wusste er, was zu tun war. An diesem magischen Ort, hier, in den Mauern des uralten Castle Grayskull, würde er in der Lage sein, Hilfe zu finden. Und das war gut so. Denn verlassen konnte er das Schloss nicht mehr. Seine Macht hatte sich mit der weißen Magie von Grayskull verbunden, die ihn schützte und verbarg, aber nun auch auf ewig band. Die Quelle dieser Magie war eine einst mächtige, weise Zauberin des Lichts gewesen, deren Bewusstsein durch die Vereinigung mit der Kraft des Geistes wieder erwacht war und in ihm zu leben begonnen hatte. Für immer und alle Zeiten waren sie nun einer ein Teil des anderen. Sollten die Tage des großen Kampfes kommen, so würde er hier, auf diesem Planeten ausgetragen werden müssen. Bis dahin und in der Hoffnung, dass es nie soweit kommen würde, schwebten der Geist und die Zauberin in der von ihr gewählten Form eines mächtigen Adlers über die schneebedeckten Berge, die wogenden Gräsermeere der Prärien, die blauen Ozeane und tiefgrünen, feuchten Dschungel ihrer alten und neuen Heimat, die ihnen Schutz und Frieden bot. Und sie nannten den Planeten Eternia. Trägerin der Ewigkeit.
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BeitragThema: Re: Wie alles begann...   Mo Nov 24, 2008 6:42 am

Kapitel I: Die Ankunft.

Es war ein stummer und doch schriller Schrei, unermesslich laut und verzweifelt, der zwischen sämtlichen Sternen am nächtlichen Firmament widerzuhallen schien, aber dennoch unhörbar blieb für alles das lebte in den Weiten Eternias. Es war eine Woge der Angst und des Entsetzens, die über den friedlichen Planeten dahin rollte, den Boden erbeben und gewaltige Gipfel in den von Sturm umtosten Bergen in einer Explosion von Feuer und Rauch bersten ließ. Tiefschwarze Wolken, die jegliches Licht der Sonnen zu schlucken schienen, schoben sich über den Himmel und Blitze zuckten durch diese bedrohliche Schwärze, welche sich über alle Kontinente legte. Der Donner brüllte vom Himmel herab, Wirbelwinde fegten über die Prärien... und dann – nichts mehr. Völlige Stille. Greifbare, scheinbar flüssige und betäubende Ruhe, in welcher der Geist von Grayskull erwachte. Er wusste, dass die Zeit gekommen war. Das Versteck war gefunden, die Macht von Grayskull war erkannt worden. Das Böse hatte eine Form gewählt. Und es war bereits hier.


Skeletor lebte nicht. Er existierte. Er war nicht geboren worden. Er war entstanden, hervorgegangen aus einer verhängnisvollen und unkontrollierbaren Vereinigung der größten Träger schwarzer Magie zahlloser Welten. In der dunkelsten Stunde seit der Entstehung des Universums hatten diese Magier und Zauberer, in der Hoffnung, ihre verderbten Kräfte zu stärken, ihre Leben und ihre Macht über die Weiten der Nacht hinweg vereint. Die Gier nach absoluter Herrschaft hatte sie blind gemacht. Ihr Spiel mit Kräften, deren Stärke sie nicht im Geringsten hatten erahnen, geschweige denn beherrschen können, hatte sie vernichtet. Aber auch wenn ihr Tod sie für ihren Frevel bestrafte, so hinterließen sie dem Universum doch ein furchtbares Erbe. Denn das Teuflische in ihnen, der Zorn, die Wut, Gier, Hass und Herrschsucht überdauerten sie. Ihre schwarze Magie formte daraus etwas Neues. Etwas unsäglich machtvolles, das ungezähmte Böse. Skeletor. Und dieses dunkle Wesen, dessen leere Augenhöhlen aus der Tiefe seines Totenschädels rot leuchteten, grub in diesem Moment beim Laufen die Krallen seiner klauenartigen Füße tief in die feuchte Erde der Prärien Eternias. Sein dunkler Mantel flatterte im Wind, während er unermüdlich und unaufhaltsam über die Gräsermeere hastete. Er wusste nicht wer er war oder woher er kam, aber er kannte seine Bestimmung. Er sah hinauf zum nächtlichen Himmel. Die dunklen Wolken, die seine Ankunft begleitet hatten, waren verschwunden. Hell leuchteten die Sterne. Über all diese Welten am Firmament sollte er herrschen. Über alles Leben im Universum. Alles Sein sollte seinem Willen, seiner Willkür und seiner nicht existierenden Gnade unterworfen werden.
Er wusste auch nicht, wo er war. Aber er spürte, dass der Schlüssel zur Macht, zu deren Ergreifung er erschaffen worden war, in greifbarer Nähe lag. Der Ort, der sie verbarg, lockte ihn, schien ihn zu rufen, und so sicher wie ein Kompass führte in seine Herrschsucht auf die weiten Ebenen vor Castle Grayskull. Fern am Horizont erblickte er die dunklen Mauern des Schlosses. Und er spürte sogleich die Gegenwart der Zauberin. Und des Geistes.
„Feinde“, flüsterte er und sprach damit das erste Wort, das seine raue, kehlige Stimme jemals hervorbrachte.
„Vernichtung“ war das zweite. Er umklammerte seinen langen Zauberstab mit dem entstellten, aufgespießten Widderkopf an der Spitze fester und begann erneut, mit weiten Schritten auf das Schloss zuzustürmen. Er fühlte die dunkle Kraft in sich brennen, die ihn weiter drängte, ihn zur Eile antrieb. Die zum Leben erwachten Vulkane in den Schneebergen spuckten noch immer Feuer und ihr rötliches Licht verlieh der gespenstischen, großen Gestalt lange Schatten, als sie unaufhaltsam auf den Hort der Macht des gesamten Universums zusteuerte. Auf Eternia sollte nun das Geschick aller Erden und Planeten entschieden werden.

„Die Zeit ist gekommen, unsere Kräfte zu einen“, sprach der Geist zur Zauberin von Grayskull, die, wie er, die Ankunft des Dunkels auf ihrer Welt gespürt hatte. Sie nickte. Die mächtigen Mauern des Schlosses um sie herum schienen mit einem Mal keinen Schutz mehr bieten zu können. Eine tödliche Kälte drang durch jede Ritze zwischen den mächtigen Steinquadern und die Zauberin wusste, dass diese Kälte nur der Vorbote dessen war, was seinen Griff nach der Macht des Universums plante. Und was auch immer außerhalb der Mauern auf sie lauern mochte, was auch immer es war, das Eternia erreicht hatte und sich nun stetig dem Tor der Burg näherte – es war stark genug, um sie durch seine bloße Gegenwart zu ängstigen. Und es war mit Sicherheit stark genug, in die Burg einzudringen, die noch immer ohne Schloss und Schlüssel war. Sie versuchte sich, zu beruhigen.
„Wir haben von dieser Stunde gesprochen,“ sagte sie. „So sehr wir auch darauf gehofft haben, dass es niemals soweit kommen möge – diese Stunde ist nun da.“
Der Geist schwebte noch immer vor ihr, ein formloser Nebel, in dem die Zauberin nie irgendeine Art von Gestalt hatte erkennen können.
„Es ist Zeit, den Waffenschmied zu erwecken“, sagte der Geist. „Denn es war nicht nur die Schönheit, Einsamkeit und Abgeschiedenheit Eternias, die es mich einst zu meiner Zuflucht hat erwählen lassen,“ fuhr er fort und in seiner tiefen Stimme klang etwas wie Wehmut mit, als erinnere er sich an Zeiten der Hoffnung, die nun für immer der Vergangenheit angehörten.
„Der Waffenschmied soll den Schlüssel schmieden, der Grayskull verschließen wird und in dem ich meine Kraft bündeln werde. Und mit Hilfe deiner Zauberkraft und der in diesen Hallen verborgenen Technik sollte der Schmied in der Lage sein, jene Wesen herbeirufen, die uns in dieser Stunde der größten Not beistehen müssen. Nur wenige werden es sein. Wenige einsame Auserwählte reinen Herzens, klaren Verstandes und großen Mutes. In ihre Hände werden wir das Schicksal des Universums legen müssen. Und der größte unter ihnen wird mit der gebündelten Kraft Grayskulls das Böse von diesen Mauern fernzuhalten vermögen.“
Die Zauberin nickte und hielt den Kopf gesenkt, schloss ihre Augen. Sie wusste, die Zeit der endgültigen Vereinigung war gekommen. Sie spürte nichts, als der Geist sich über sie senkte, und ihre schlanke, hoch gewachsene, muskulöse Gestalt für einen Moment in den weißen Nebelschwaden verschwand. Aber dann war ihr, als käme hier, in den Mauern von Grayskull, ein Sturmwind auf. Sie hob den Kopf, öffnete die Augen und sah sich von weißen Schlieren umtost. Immer schneller und schneller wirbelten diese Schlieren um sie herum, der Sog ließ sie hin und her schwanken wie Schilf im Meereswind, der Strudel aus reiner Kraft, in dessen Zentrum sie stand, nahm ihr den Atem... und dann - war die Vereinigung geschehen. Die Zauberin spürte, wie ihr für einen Moment schwindlig wurde, ihre Knie drohten einzuknicken. Aber nur den Bruchteil einer Sekunde später fühlte sie sich so kraftvoll wie noch nie zuvor in all ihren Lebensaltern. Sie spürte die Größe der Macht des Geistes in sich – und erschrak. Diese Allmacht, die nun mit ihren magischen Fähigkeiten verbunden war und in ihr ruhte, erfüllte sie mit Furcht aber auch mit dem Gefühl einer großen Verantwortung, der sie sich nun zu stellen hatte. Sie atmete tief durch.
„Es ist Zeit“, sagte sie zu sich selbst, die Worte des Geistes wiederholend. „Es ist Zeit, den Schmied zu erwecken und die Auserwählten zu rufen. Die Masters of the Universe.“

Laut hallten ihre Schritte durch den hohen Thronsaal von Grayskull. Sie ging auf den steinernen, grauen, schon seit Ewigkeiten verwaisten Thron am Ende der Halle zu. Der Mantel des letzten Königs von Eternia hing noch immer über eine der Armlehnen, genauso, wie sein Besitzer ihn vor tausenden von Jahren dort hatte liegen lassen, als er in die letzte große Schlacht gezogen war. Fackeln steckten in ehernen Haltern entlang der Wände und ihr flackerndes Licht spiegelte sich auf der goldenen Rüstung der Zauberin. Festen Schrittes durchmaß sie den gewaltigen Saal. Ihre Gesichtszüge schienen ebenso steinern wie jene der Statuen der ruhmreichen Krieger, die ihren Weg säumten. Relikte waren diese Statuen nur noch, nicht mehr als Denkmäler längst vergessener Heldentaten. Bis auf eine. Und diese eine war ihr Ziel.

Der Steinmetz, der das graue Abbild dieses Kriegers erschaffen hatte, war ein wahrer Meister seiner Kunst gewesen. Jede einzelne Sehne seiner muskulösen Arme war perfekt modelliert, die Züge seines Gesichts waren so fein gearbeitet, dass man jeden Moment erwartete, die steinerne Figur würde den Kopf senken und einen ansehen. Die offenen Augen waren bewegungslos, dennoch wirkte ihr Blick, auf den Sitz des Herrschers gerichtet, wach und klar. Rechts neben den Stufen, die zum Sockel des Throns hinaufführten, hielt die Statue ihre ewige Ehrenwache. Und nichts hatte Duncan, den Waffenschmied, den Man-at-Arms, in den vergangenen Zeitaltern seit den großen Kriegen in seiner Ruhe gestört. War sein Körper auch längst vergangen, zu Staub geworden auf einem der Schlachtfelder der alten Kriege, so hatte sein Geist in dieser Statue die Jahrhunderte überdauert. Die Zauberin selbst hatte einst dafür gesorgt, dass mit dem sterblichen Man-at-Arms nicht sein Mut, seine Weisheit und seine Stärke in die Mysterien des Jenseits gezogen waren. Sie hatte all dies kraft ihrer weißen Magie in jener Statue gebündelt. Denn eines hatte sie schon vor der Ankunft des allmächtigen Geistes in Grayskull gespürt: Dieser Mann war ein Auserwählter, zu Höherem bestimmt. Auf ihn wartete eine große Aufgabe. Und jetzt war es an der Zeit, dass er sich dieser stellte. Es war Zeit für ihn, zu erwachen.
Die Zauberin blieb vor der Statue stehen, breitete ihre Arme aus, legte den Kopf in den Nacken und rief mit lauter Stimme, so dass ihre Worte mit ihrem Widerhall von den hohen Wänden wie ein Chor durch den Thronsaal schallten:
„Leben sollst du, Duncan, Waffenschmied von Grayskull. Wirf deinen steinernen Mantel ab. Das Böse hat seinen Weg nach Eternia gefunden. Das Gute muss sich zum Kampf stellen. Du sollst der Erste der Verteidiger Grayskulls sein, der erste der Masters of the Universe. Erfülle deine Bestimmung, Duncan.“

Zunächst geschah nichts. Die Beschwörung der Zauberin verhallte langsam im Thronsaal, der Klang der Worte ebbte ab, schien sich in die angrenzenden Quergänge und dunklen Gewölbe zu verflüchtigen. Stille breitete sich aus. Langsam senkte die Zauberin ihre Arme, ihren Blick starr und erwartungsvoll auf die Statue vor sich gerichtet. Ihre Augen glänzten, ihre Lippen bebten in Anspannung. Es musste geschehen, es musste einfach. Ohne den Schmied war der Kampf verloren, bevor er überhaupt begonnen hatte.
Und es geschah, begann mit einem leisen Knirschen. Ein hauchdünner, kaum sichtbarer Riss breitete sich im Stein der Statue aus, verlängerte sich langsam vom Helm des Kriegers über sein Gesicht, seinen mächtigen Brustkorb bis hinunter in seine Beine. Und dort, über den Stiefeln des Man-at-Arms, brachen schließlich die ersten Steinbrocken weg, gaben freie Sicht auf das lebendige Wesen, dass sich nun, mit dem Willen eines eingeschlossenen Tieres zur Flucht von seiner kalten Hülle befreite. Mit einem lauten Krachen schien die Statue vor der Zauberin geradezu zu explodieren und sie riss ihre Arme vor ihr Gesicht, um sich vor den herumfliegenden Steinbrocken zu schützen. Sie wich ein paar Schritte zurück und für einen Moment nahm ihr der sich ausbreitende, graue Staub die Sicht. Als er sich legte und sie gerade wieder klar sehen konnte, spürte sie, wie ihr nun Tränen der Freude in die Augen stiegen. Denn auf dem Sockel vor ihr stand, sich verwirrt nach allen Seiten umblickend, der erste der Helden, auf deren Hilfe sie so sehr angewiesen war. Dort stand Duncan, Waffenschmied, Man-at-Arms, einst Führer der längst vergangenen, ehemals so glorreichen Schlosswache. Und wie vor ewigen Zeiten, in seinem ersten Leben, umgab ihn auch jetzt eine Aura von Willenskraft und Entschlossenheit. Sie wischte sich mit dem Handrücken die Tränen aus den Augenwinkeln. Genau in diesem Moment entdeckte er sie und erkannte sie sogleich. Er ließ, wachsam wie stets, zunächst noch einmal seinen Blick durch den Thronsaal schweifen, sprang schließlich von dem Sockel, fiel auf ein Knie, legte ihr seine gewaltige Kampfkeule zu Füßen und sprach: „Euer Diener, Zauberin.“
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BeitragThema: Re: Wie alles begann...   Mo Nov 24, 2008 6:43 am

Sie hatten keine Zeit für lange Erklärungen. Dennoch wollte die Zauberin Duncan zumindest einige seiner Fragen beantworten, als sie durch die verlassen, düsteren Gänge des Schlosses hetzten, auf dem Weg zur alten Waffenschmiede.
„Das letzte, an das ich mich erinnere“, sagte Duncan mit schwerer Stimme, „ist die große Schlacht auf den Hügeln am Rande der roten Sümpfe von Kara’an. Am Abend es dritten Tages waren wir eingekesselt, die Sümpfe in unserem Rücken, als der König den Befehl zu einem letzten großen Versuch zum Ausfall gab.“ Er schüttelte den Kopf, tief in Erinnerungen versunken. „Es war ein mutiges, wenngleich auch hoffnungsloses Unterfangen. Wir wurden von Horden von grauen Rittern attackiert, von allen Seiten. Ich sah den König im Getümmel vor mir, in ernster Bedrängnis, drei Feinde zur gleichen Zeit abwehrend. Ich versuchte, mich zu ihm durchzuschlagen, streckte gerade einen der Feinde nieder... und da sah ich nur noch aus dem Augenwinkel die Klinge einer Axt auf mich zurasen. Ich versuchte noch mich zu ducken. Aber der Schlag riss mich von meinen Beinen. Das Blatt der Axt grub sich in meine Schulter, das Blut lief mir warm übers Gesicht. Ich wollte aufstehen, konnte es aber nicht, konnte nur noch den Kopf heben. Der König sah zu mir herüber und an seinem mit Schmerz erfüllten Blick erkannte ich, dass meine Zeit wohl gekommen war. Er nahm mit diesem Blick Abschied von mir, nickte mir noch einmal zu, bevor er selbst sich wieder seines Lebens erwehren musste. Und das ist alles. Danach weiß ich nichts mehr. Unendliche, gedankenleere Schwärze erfüllte mein Bewusstsein. Ich träumte einen bilderlosen Traum... bis ich gerade eben vor euch im Thronsaal erwachte.“
Die beiden bogen um eine Ecke in einen weiteren der scheinbar endlosen Gänge, die sich durch Castle Grayskull erstreckten. Auf einen Fremden mochten sie wie ein Labyrinth wirken und tatsächlich waren sie so angelegt, dass es Eindringlingen schwer fallen sollte, sich zu orientieren. Die Zauberin jedoch kannte jeden einzelnen dieser Gänge. Und Duncan hätte nach wie vor jederzeit den Weg in seine Waffenkammer mit verbundenen Augen gefunden.
„Die Zeit drängt, Duncan,“ sagte die Zauberin. „Ich kann dir nicht alles so ausführlich berichten, wie ich möchte. Zumindest nicht jetzt. Aber ein paar Antworten will ich dir geben, auf dass sie deinen Geist von den dringendsten Fragen befreien mögen. Denn ich brauche dich jetzt mehr denn je bei klarem Verstand. Also höre gut zu und wappne dich, mein Freund, denn traurig und schwer zu verstehen sind die Dinge, die ich Dir zu erzählen habe.“ Sie blieb abrupt stehen. Duncan, in einer Hand seine schwere, eiserne Keule, in der anderen eine Fackel, stoppte ebenfalls seinen schnellen Schritt, wandte sich zu ihr um und sah sie abwartend an.
„Der König ist an jenem Tag gefallen“, begann die Zauberin mit belegter Stimme. Als sie sah, wie der Schmied voller Gram den Blick senkte, trat sie auf ihn zu und legte ihm sanft eine Hand auf seine Schulter.
„Du hättest nichts dagegen tun können, Duncan. Niemand konnte etwas tun, auch ich nicht, trotz all meiner Zauberkraft. Es war das Schicksal der freien Völker Eternias. Es war das Schicksal dieses Planeten, das weiß ich heute. An jenem Tag damals fiel nicht nur der König, sondern auch Du. Und mit euch auch all eure Getreuen. Und in den folgenden Wochen brach zwischen den dunklen Siegern ein Streit um die Herrschaft aus, der zu neuen Kämpfen und letzten Endes zum Tode aller Beteiligten an diesem unheilvollen und grausamen Kriege führte.“
Duncan hob langsam wieder den Kopf. „Tod? Alle? Also bin auch ich tatsächlich gestorben... aber wie.. wie kann ich dann..“ stammelte er ungläubig.
Die Zauberin nickte und unterbrach ihn. „Ja, Duncan. Du bist gefallen, ehrenvoll und mit dem Antlitz deines Königs in deinen Gedanken. Und seither, mein guter Waffenschmied, sind viele tausende und abertausende von Jahren vergangen, in welchen deine Seele, von mir bewahrt, in jener Statue im Thronsaal ruhte, aus welcher du dich gerade eben befreit hast. Ich habe dich zurückgeholt.“
Bei diesen letzten Worten fasste sie ihn auch noch an seiner anderen Schulter und sah ihm fest in die Augen. Sie konnte erkennen, wie schwer es ihm fiel, all das zu verstehen. Er war gerade erst wieder erwacht, in einer anderen Zeit, in einem neuen Leben. Sein Blick wirkte glasig, er zitterte leicht unter ihren Händen. Dieser kräftige Mann erschien ihr mit einem Mal verloren und hilflos. Und er tat ihr leid. Aber sie konnte darauf in diesem Moment keine Rücksicht nehmen. Das Böse war schon bedrohlich nahe. Sie spürte, wie es mit jeder Minute näher kam, mit jeder Sekunde. Es konnte nicht mehr weit vom Burgtor entfernt sein. Und das Tor stand noch immer jedem offen, der kräftig genug war, es zu bewegen. Sie atmete tief durch und ließ ein wenig ihrer eigenen magischen Kraft durch ihre Hände in den Schmied fließen, während sie ihn sanft schüttelte, um ihn aus seinen Erinnerungen und Gedanken ins Hier und Jetzt zurückzuholen.
„Hörst Du, Duncan? Ich habe dich zurückgeholt. Und zwar weil ich deine Hilfe brauche. Mehr denn je.“
Und als er die Magie der Zauberin durch sich fließen spürte, war es Duncan, als würde er nun endlich tatsächlich wieder erwachen – zu einem neuem Leben, in dem er gebraucht wurde. Sein Blick klärte sich und seine Muskeln schienen sich seiner alten Kraft zu erinnern. Er richtete sich auf, umklammerte fest seine Keule und stand fest und entschlossen vor der Zauberin.
„Erzähl mir, was geschehen ist,“ sagte er. „Welche Gefahr bedroht dich und Grayskull?“
Und während sie weiter schnellen Schrittes durch die düsteren Mauern der Burg eilten, berichtete ihm die Zauberin von der Ankunft des Geistes, der verschwiegenen, aber stets bedrohten Ruhe der vergangenen Jahrtausende und der Macht, die sich Grayskull als Zuflucht gesucht hatte und von der nun das Böse Besitz zu ergreifen suchte. Sie endete mit ihrer Erzählung, als sie die Waffenkammer betraten. Man-at-Arms durchmaß den dunklen, weiten Raum mit sicherem Schritt und entzündete die Fackeln an den Wänden mit derjenigen in seiner Hand. Dann wandte er sich wieder zur Zauberin um.
„Und was ist nun meine Aufgabe?“ fragte er. „Was kann ich tun?“
„Du bist einer der Auserwählten“, sagte die Zauberin mit voller Stimme. „Du bist einer der Masters of the Universe, der Verteidiger des Guten. Aber allein kannst du diesen Kampf nicht gewinnen. Wir müssen Hilfe für dich und mich rufen und zwar mit deinem interstellaren Teleporter. Mit der Kraft des mächtigen Geistes und der Technik diesen Gerätes sollten wir die anderen Auserwählten finden und nach Eternia bringen können.“
„Ich verstehe“, sagte der Man-at-Arms und bewegte sich sofort zielstrebig auf eine große, metallische Apparatur zu und machte sich daran, sie zu aktivieren. Seine Finger huschten über viele Knöpfe, legten Schalter und Hebel um. Verschieden farbige Lichter flammten auf und ein tiefes, waberndes, künstliches Summen begann den Raum zu füllen.
Die Zauberin war aber noch nicht zu Ende gekommen. Sie erhob ihre Stimme und sprach feierlich: „Und danach, Duncan, musst du dein Meisterstück vollbringen, das Edelste schaffen, was deine klassische Schmiedekunst je hervorgebracht hat.“
Der Waffenschmied wandte den Blick von dem Teleporter ab, sah zur Zauberin hinüber, deren Augen im tanzenden Licht der Fackeln wie das Gold ihrer Rüstung glitzerten.
„Und was soll das sein?“ fragte er ehrfürchtig.
„Den Schlüssel zu Grayskull“, sagte sie. „Das Schwert der Macht.“
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BeitragThema: Re: Wie alles begann...   Mo Nov 24, 2008 6:44 am

Kapitel 2. Schreie in der Nacht


War sein Inneres auch so schwarz und abgründig wie der tiefste Brunnenschacht, so wurde sein Geist doch mit jedem Moment, der verstrich, klarer und verständiger, gleichzeitig verschlagener und abartiger. Wie ein Kettenhund Befehle von seinem Herren bekommt, so steuerte das reine Böse in Skeletor zunächst sein Handeln, offenbarte ihm aber gleichzeitig immer mehr, verriet ihm, wer er war, stachelte seine Gier und seinen Hass an und vollendete somit sein Erwachen, während es ihn über die Prärien des nächtlichen Eternias hetzte.

Als er schließlich innehielt und keuchend seinen Widderstab in den weichen Prärieboden rammte, war sich Skeletor seiner Macht und seiner Bestimmung nun vollauf bewusst. Er war jetzt Herr seiner Selbst. Das wilde Tier, unzähmbare Tier, das vor Stunden auf Eternia erschienen war, hatte seinen teuflischen Verstand gefunden. So war er jetzt gefährlicher denn je. Er sank auf eines seiner Knie herab, stützte sich mit der Linken auf seinen mächtigen Oberschenkel. Seine Rechte hielt dabei immer noch den Schaft des Widderstabes umklammert. Er legte den Kopf in den Nacken und für einen Moment drang das fahle Mondlicht unter seine schwere, tiefblaue Kapuze und brachte seinen bleiche, knöcherne Fratze zum Schimmern. Skeletor blickte zu dem Widderschädel am Ende seines Stabes auf. An den gelblichen Knochen des Tierschädels hingen noch Fetzen von verwesendem Fleisch und Fell. Die in sich gedrehten Hörner des Tieres waren so schwarz wie Vulkangestein – eine seltene Spielart der Natur, die als böses Omen gedeutet wurde. Deshalb war das Tier einst auf irgendeinem barbarischen Planeten von einem abtrünnigen Schamanen einem wilden, dunklen Gott geopfert worden. Jetzt diente die Magie des Schädels Skeletor, denn sein einstiger Herr, der Schamane, war wie viele andere dunkle Zauberer und Magier bei Skeletors Entstehung einen grausamen Tod gestorben.

Der blauhäutige Herr der Dämonen senkte sein verhülltes Haupt und fing an, unverständliche, gutturale Beschwörungen in einer für alle Wesen des Lichts unaussprechlichen Sprache zu murmeln. Und nach nur wenigen dieser Worte begannen die schwarzen Hörner des Widders im Licht der in den Schneebergen noch immer Feuer speienden Vulkane zu leuchten. Wind kam auf, begann augenblicklich wie ein noch weit entferntes Rudel hungriger Wölfe zu heulen. Das Präriegras um Skeletor herum wogte in den stärker werdenden Böen. Der Herr der Finsternis richtete seinen Blick über die Ebene vor sich, hörte dabei aber nicht auf, seine magischen Worte zu sprechen. Nur noch etwa 100 Schritte entfernt ragten die Mauern von Grayskull vor ihm auf. Auf diese kurze Entfernung wirkten die Mauern noch mächtiger als man es sich je vorstellen konnte, wirkten wie Berge, wie unüberwindbare Steilwände, die bis in den Himmel zu ragen schienen. Die gewaltigen steinernen Quader, aus denen die Burg errichtet war, schienen allen Angreifern zu spotten und das riesige Tor im Rachen der totenkopfartigen Burgfront wirkte selbst so unbeweglich wie massiver Fels, schien nur von Bildhauern in den Stein geschlagen, ohne sich jemals wirklich öffnen zu können.

Aber Skeletor zeigte keine Ehrfurcht vor der zeitlosen Macht und Ausstrahlung der Burg. Er war entschlossen, Grayskull zu betreten und er wusste, er war dazu in der Lage. Er spürte die Gegenwart seiner Feinde im Inneren und die Aussicht, sie vernichten zu können, zog ihn an wie der Geruch von Tod die Aasfresser. Und dann war da die Macht, die unendliche Macht, die es zu erobern galt und die der ganze Grund für seine wahnhafte Existenz und sein verderbtes untotes Dasein war. Diese Macht war zum Greifen nah, hinter diesen Mauern. Er spürte die Erregung in sich aufsteigen. Nichts würde ihn aufhalten. Gar nichts. Lauter und lauter wurde seine kalte Stimme, bis er zum Schluss seine Beschwörungen in die Nacht schrie. Und das Leuchten der Widderhörner über ihm wurde dabei immer stärker und strahlender, bis sich der ganze Tierschädel schließlich wie glühend rotes Eisen in einem Schmiedeofen vom Schwarz der Nacht abhob. Der Stab begann zu vibrieren und Skeletor stand auf, umklammerte ihn mit beiden Händen, riss ihn aus der Erde und hielt ihn hoch über sein Haupt. Seine mächtigen Muskeln waren zum zerreißen gespannt, der Widderkopf pulsierte über ihm, war nur noch als rote, flackernde Kugel ohne Formen zu erkennen und Skeletor hob den Stab, so hoch er nur konnte, streckte ihn den Mauern entgegen – nur, um ihn sofort darauf mit all seiner dämonischen Kraft erneut in den Boden zu rammen. Und dabei schrie er ein Wort, das in allen Sprachen gleich lautet, denn es ist ein Name, ein heiliger, ewiger Name, der Name der letzten Zuflucht. „Graaaaayskuuuuullllll“.

Und in dem Moment, als der Stab sich in den Boden bohrte und Skeletors Schrei die Burgmauern erreichte, öffnete sich das gewaltige Tor, ratterte zwischen den Ketten, die es hielten, dem Boden entgegen, als müsse es sich vor dem Herrn der Nacht in demütiger Ohnmacht verneigen. Skeletor grinste. Mein Wille geschehe, dachte er. Als das Tor Grayskulls ihm den Weg freigab und vor ihm auf den Boden aufschlug, schien der ganze Planet zu erzittern.


„Was, bei meinen Ahnen, war das?“ rief Duncan, der Man-at-Arms, der Waffenschmied der alten Dynastie. Ein Erdbeben? Nein, dachte er. Ein anderer Gedanke schoss ihm durch den Kopf: Ein riesenhaftes Ungeheuer nähert sich, mit Schritten, die einem Steinschlag gleichen. Er wusste nicht, woher der Gedanke kam und versuchte ihn sofort wieder zu verdrängen. Es gelang ihm nicht ganz.

Er blickte zur Zauberin, die beide Arme vor die Brust gelegt hatte und dabei selbst zitterte, als wäre der Erdstoß in all ihre Glieder gefahren. Duncan ging auf sie zu. Tränen standen in ihren Augen.
„Was war das, oh Zauberin, welch Bedrohung lässt euch so erzittern?“
Sie schüttelte nur den Kopf, als wäre sie gerade erwacht, rieb sich dann die Tränen wie Schlaf aus den Augen und schob Duncan zurück zum Pult seines interstellaren Teleporters, an dem er noch vor wenigen Momenten eifrig geschäftig gewesen war.
„Schnell, Duncan, die Zeit drängt, weit mehr noch, als ich dachte. Die Dunkelheit liegt über uns. Wir müssen uns eilen, Hilfe zu rufen. Denn ohne Hilfe sind wir IHM nicht gewachsen, ohne Hilfe können wir nicht bestehen.“
„Wem?“ fragte Duncan, als er folgsam schon wieder vor dem Teleporter stand und das Gerät Schritt für Schritt weiter in Bereitschaft versetzte. „WEM sind wir nicht gewachsen?“
„IHM“, flüsterte die Zauberin. „Ihm, dem Abgründigen, dem Herrn der Verzweiflung und der ewigen Furcht. Ihm, dem schwarzen Priester, dem Spötter und Lügner, dem Engel des Zorns und der Qualen.“

Duncan verstand nicht, von wem die Zauberin sprach, aber ihr Anblick fuhr eiskalt in sein Innerstes und brachte sein mutiges Herz beinahe zum Stocken. Denn selbst während der Zeit der großen Kriege und trotz all der Grausamkeit, die jene längst vergangenen Tage hervorgerufen hatten – nie zuvor hatte der Waffenschmied soviel Angst auf den feinen Zügen der Zauberin gesehen wie in diesem Moment. Etwas unsagbares musste auf sie lauern.
Beeil dich lieber, Duncan, sagte er still zu sich selbst, auf dass dieses dein neues Leben nicht nur für ein paar Momente währen soll.

Die Zauberin zuckte plötzlich zusammen, musste sich am Pult des Teleporters festhalten, um nicht zusammenzubrechen. Sie hatte die Augen geschlossen, schien aber dennoch etwas zu sehen, dass die keuchend nach Atem ringen ließ.
„Beim Geist und allem Guten, das im Lichte lebt – er ist schon im Schloß... Er ist hier, Duncan!“ Ihre Stimme wurde jetzt fast schrill: „Du musst dich beeilen, Waffenmeister, so beeile dich doch. Sonst werden wir nicht mehr um Hilfe rufen können. Ich kann ihn nicht aufhalten, und auch Du kannst ihm allein nicht die Stirn bieten.“
Duncans Finger huschten noch geschwinder als zuvor über Knöpfe, Schalter und Panels und als ein weißes, kühles Licht den Raum zu erfüllen begann, sagte er, schwer ausatmend: „Es ist soweit, der Teleporter ist funktionsbereit. Aber sagt mir nun, Zauberin, wen ich holen soll und wo ich ihn finden kann.“
Die Zauberin senkte den Blick und schüttelte den Kopf, trat dabei näher an Duncan heran, stand nun wie er direkt vor dem interstellaren Transporter.
„Ich weiß es nicht, Waffenmeister, ich weiß es nicht. Helden brauchen wir, die wahren, die mutigsten und die einsamsten, die ihr Leben für alle Zeit hier dem Kampf für das Gute widmen sollen. Wenige werden es sein, dafür aber umso größere Krieger, groß in ihrer Macht und groß in ihrem Geist. Und der Größte von allen wird nicht nur unser Leben sondern das Leben in all seiner Fülle und auf allen Welten bewahren.“

Duncan wusste nicht, wie er diese prophetischen Worte entschlüsseln sollte. Große Helden, das verstand er. Aber wo sollte er sie finden? So funktionierte diese von ihm vor tausenden von Jahren konstruierte Maschine nicht. Man konnte sie nicht auf die Suche nach Helden schicken. Ratlos sagte er: „Ich... ich muss mehr wissen als das. Ich brauche Namen von Planeten, von Menschen, brauche Koordinaten oder Raumzeiten...“
„Still!“ zischte die Zauberin und legte ihm die Finger der rechten Hand auf die Lippen. Beide lauschten, regungslos. Und über dem monotonen Brummen des Teleporters hörten sie, wenn auch noch entfernt, kratzende, scharrende, und hastig laufende Schritte durch die Gänge eilen. Und sie kamen eindeutig näher.
Die Zauberin atmete tief ein.
„Verstecke dich Duncan, verbirg dich still dort hinten im Halbdunkel. ER wird gleich hier erscheinen, der dunkle Schatten der Nacht selbst, und er darf dich nicht töten, denn Du hast noch eine große Aufgabe vor Dir, die nur für dich bestimmt ist.“

„Noch nie habe ich mich vor einem Feind wie ein ängstliches Kind verkrochen“, sagte Duncan, halb wütend, halb verstimmt. „Und auch jetzt könnt ihr es nicht von mir verlangen, Zauberin.“
Er griff seine Keule und wollte sich schon auf den Weg hinaus in die dunklen Gänge machen, sich dem mysteriösen Angreifer entgegen stürzen. Aber die Zauberin fasste ihn an der Schulter, deutete auf den Teleporter und sprach mit einer auf einmal nahezu entrückten, ruhigen Stimme, aus der jegliche Furcht und Anspannung gewichen schien. Den nahenden Feind schien sie mit einem Mal vergessen zu haben.
„Sieh nur, Duncan, und schaue die Antlitze unserer Helden. Die Macht des Geistes hat sie gefunden.“
Der Waffenschmied hatte nicht bemerkt, wie die Zauberin zuvor eine Hand auf die Konsole des Teleporters gelegt und offensichtlich ihre magische Kraft in Leitungen und Fasern seines technischen Wunderwerks gelenkt hatte. Vielleicht hatte auch sie es nicht bewusst getan. Duncan vermutete sogar, dass die Macht des Geistes selbst diese Entscheidung für sie traf. Was auch immer es ausgelöst hatte - jetzt zeigte der große Bildschirm in der Mitte der Hauptkonsole in schneller Abfolge mehrere Planeten, als flögen sie durch die Tiefen des Alls, sie passierten Milchstraßen, Sternennebel und rasten durch Galaxien... und dann sahen sie mit einem Mal Bilder aufflackern von einem Heer von halbnackten, wunderschönen Frauen auf sehnigen Pferden, die eine Schlacht schlugen, angeführt von einer Kriegerin mit goldbraunen Haaren. Und sie sahen Bilder von einem in eine Mönchskutte gewandeten Mann in einem Kloster, hoch in einer Kette von strahlend weißen Bergen. Seltsame Federn wuchsen aus den Unterarmen dieses Mannes und mit einem Mal stürzte er sich über einen der Balkone des in den Felsen gehauenen Klosters, nur um im Aufwind mit gestreckten Armen majestätisch wie ein Falke in die Wolken zu aufzusteigen. Das Bild änderte sich. Wieder sahen sie die kämpfenden Frauen und das Wort „Tee-La“ formte sich in Duncans Geist und er erkannte das wunderschöne Gesicht einer jungen Frau, die sich am Lagerfeuer von allen anderen absonderte und allein ihre Waffen pflegte, bevor sie im Gebet den Blick zum Nachthimmel richtete. Blickt sie durch die weiten des Universums zu uns herüber?, fragte sich der Waffenschmied.
Und schließlich sahen sie einen breitschultrigen, blonden Hünen der bloß einen Lendenschurz aus Fell trug und in eine grobe Decke gewickelt war. Der riesenhafte Krieger trug eine tote Frau auf ein hölzernes Gestell zu, legte dort ihren Leichnam ab und entzündete mit einer Fackel einen Stoß Reisig, der unter dem Gestell aufgetürmt war. Er streifte die Decke von seinen mächtigen Schultern, lies sich auf die Knie fallen und stimmte ein Klagelied in einer für Duncan fremden Sprache an. Sie sahen den muskulösen, harten Körper des Mannes, aber auch sein ebenmäßiges Gesicht, über das Tränen liefen, als die Flammen das Gestell hinauf krochen und die sterblichen Überreste der Frau verschlangen.
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BeitragThema: Re: Wie alles begann...   Mo Nov 24, 2008 6:44 am

„Wie ich es sagte und wie es prophezeit wurde“, wiederholte die Zauberin, „sie müssen wahre Helden sein, die mutigsten aber vor allem auch die einsamsten. Denn nur wenn sie die Einsamkeit kennen und schon in sich tragen, werden Sie das Leben als Beschützer des Universums und die damit verbundenen Pflichten ertragen und annehmen können.“

„Helden“, hörten sie da mit einem Mal eine keuchende, in sich hallende und spöttisch klingende Stimme hinter sich sagen. „Helden leben nur in Legenden und Liedern von Narren, Zauberin. In der Wirklichkeit sterben sie stets. Vielleicht glorreich – aber sie sterben dennoch. Und das Böse, das stets obsiegt, lässt mich ewig leben.“
Duncan und die Zauberin fuhren erschrocken herum und wichen einen Schritt zurück, als sie die Gestalt im Eingang zur Waffenkammer sahen. Die Lederriemen, die seine aus Menschenknochen gefertigte Rüstung zusammen hielten, schnitten diesem blauhäutigen Wesen tief in die Haut. Ein dunkler Mantel aus zerfranstem Leinen lag über seinem Rücken und mündete in einer Kapuze aus deren Tiefe ein rotes Leuchten drang. Seine Hände wirkten wie Klauen und seine nackten Füße waren mit Krallen bewehrt. Seine mächtigen Muskeln spannten sich bei jeder Bewegung, als er nun langsam auf sie zukam. Kälte ging von diesem Wesen aus und er strahlte eine beklemmende Leere und Hoffnungslosigkeit aus, die es Man-at-Arms nicht erlaubte, länger direkt in das rote Leuchten unter der Kapuze zu sehen.

„Du hast Dir also schon Hilfe gesucht, Zauberin.“ Das Wesen nickte in Richtung des Waffenschmieds. „Weise, aber auch töricht. Was soll dieses Menschlein schon gegen mich ausrichten?“ Mit diesen Worten schwenkte er den Zauberstab nur unmerklich in Richtung des Waffenschmieds. Und Duncan wurde von einer unsichtbaren Kraft gepackt und mit der Wucht eines Katapults gegen die Wand neben dem Eingang der Waffenkammer geschmettert. Ein Keuchen wich aus Duncans Brust, als er langsam an der Wand herab rutschte. Er blieb auf dem Boden liegen und sah die Szenerie vor sich nur noch undeutlich. Ein Schleier legte sich über seine Augen. Aber anstatt in die gnädige Umarmung der Ohnmacht zu gleiten, konzentrierte sich der alte Kempe auf die Schmerzen, die ihm wegen des harten Aufpralls durch Schulter und Rücken zuckten. Denn die Schmerzen würden ihn wach halten. Zu lange war er schon Kämpfer, als sich willig der ersten Schwäche zu ergeben. Ruhig, Duncan, sagte er sich, bleib ruhig. Besinne dich, alter Mann. Warte auf deine Gelegenheit.

Die Zauberin blickte nicht in Duncans Richtung, sah nicht, wie er seine Keule immer noch fest umklammerte. Zu sehr war ihr Blick von dem Bösen gefangen, dass sich ihr näherte. Sie spürte eine Furcht in sich, die größer war als jede Todesangst. Es war eine pure Verzweiflung, ein Gefühl von Verlorenheit, Einsamkeit, zukünftiger Trauer und Scham, Scham über ihr Versagen. Sie fühlte den Geist in sich, die Macht von Grayskull, ihre eigene Magie und kam sich dennoch so wehrlos vor wie ein neugeborenes Kind. Sie hätte ihre Gestalt wandeln und als Adler in den Nachthimmel fliehen können. Aber die Macht dieses dunklen Wesens nahm ihr jede Fähigkeit zu handeln und lähmte sie. Nie hätte sie es für möglich gehalten, dass sich so viel Böses an einem Ort vereinen, geschweige denn in einem Wesen bündeln könnte. Sie war dem nicht gewachsen. Sie war keine Kriegerin. Ihr Herz war voller Güte und Wärme, aber misste den Mut und die kühle Beherrschung des Kämpfers. Sie versuchte sich zu besinnen, auf ihre Kraft und ihre Aufgabe, und schrie das Wesen vor sich an, das weiter langsam auf sie zukam.
„Verschwinde. Fahre zurück in die Schatten, woher du gekommen bist. Ich... ich... nie werde ich Dir geben, was Du zu nehmen erhoffst, Du...“
Das Wesen lachte. Oder zumindest dachte die Zauberin, dass dieses heisere Röcheln eine Art von spöttischem Lachen war.
„Skeletor. Nenn mich Skeletor, du armselige, ängstliche, schwache Kreatur. Glaube mir, Du wirst mir geben, was ich will, du jämmerliche Hure des Lichts. Du kannst mir nicht widerstehen. Der Geist, die Kraft, hat vielleicht mit diesem Planeten und diesen Mauern als Versteck gut gewählt, aber dich als seine Hüterin zu bestimmen, spottet seiner angeblichen Weisheit. Nein, du kannst mir nicht widerstehen. Ich sehe die Angst in deinen Augen. Du verlierst die Schlacht, bevor wir überhaupt gekämpft haben. Wie erbärmlich. Ich werde deine Macht aus dir herausquetschen, wie berauschenden Saft aus vergorenen Trauben.“ Skeletor hob seinen Stab und streckte gleichzeitig eine seiner Klauen nach der Zauberin aus. Sie stand direkt vor ihm, zwischen ihnen war nur der Teleporter, auf dem noch immer die Lichter blinkten und leuchteten. Sie sah den Widderkopf des Stabes direkt vor sich, roch das faulige Fleisch, das noch an ihm hing. Skeletor Stimme wurde beschwörend: „Lass es einfach geschehen, und dein Tod wird...“

In diesem Moment sprang Duncan Skeletor von hinten an und schlug ihm mit aller Kraft seine Donnerkeule in den Nacken. Auch wenn der Schlag selbst bei Skeletor keinerlei Wunden zu hinterlassen schien, schrie er doch auf, da die schiere Wucht des Hiebs ihn ein paar Meter tiefer in die Waffenkammer trieb. Seine Stimme bebte vor Zorn: „Du erbärmlicher Wurm, du wagst es...“
Duncan hörte nicht auf die Worte des dunklen Wesens. Er hatte sich langsam und vorsichtig wieder vom Boden erhoben gehabt und war in dem Moment vorgesprungen, in dem Skeletor ihm den Rücken zugewandt hatte. Jetzt wusste er, dass er ebenso schnell handeln musste, um ihre Flucht zu ermöglichen. Er griff den Arm der Zauberin und schrie sie an.
„Der Teleporter, unsere einzige Rettung.“
Die Zauberin stürzte in seinen Arm und blickte dabei wieder auf den Bildschirm, der noch immer das Bild des tieftraurigen blonden Hünen zeigte.
„Aber unsere Helden, Duncan...“
Der Waffenschmied nickte und drückte mehrere Knöpfe. Und als Skeletor mit der Magie seines Widderstabes nach Ihnen schlug, waren Sie schon aus der Kammer verschwunden. Nur ein helles Licht leuchtete noch einen Moment an der Stelle, an der sie gerade noch gestanden hatten. Dann war Skeletor allein, im Dunkel der Kammer, im tanzenden Licht der Fackeln.

„Neeeeeeiiiiiiin“ schrie er voller Wut und das Gemäuer verwandelte mit seinem Echo den Schrei in einen Chor verdammter Seelen. Er pochte mit dem Stab auf den Boden und sah sich fauchend um. Niemand war da, an dem er seine bestialische Wut auslassen konnte. Niemand zum Töten. Niemand zum Foltern. Niemand. Da fiel sein Blick auf den Bildschirm des Teleporters. Und nun sah auch er diesem blonden, muskulösen Mann ins Gesicht, nur ganz kurz. Und er sah die grauen Augen, die harten Züge, und er sah die Aufrichtigkeit, die Ehre und den Großmut des Helden in diesen Zügen. Aber auch die Traurigkeit und Verzweiflung. Und Skeletor sah, wie der blonde Hüne ein Schwert mit dem Griff in den Boden rammte und sich, immer noch vor dem brennenden Leichnam kniend, die Spitze des Schwerts auf die Brust setzte. Skeletor lachte wieder sein heiseres, spöttisches Lachen. „Zauberin, oh Zauberin, zu schade, dass du dies nicht mehr mit ansehen darfst. Einer deiner großen Helden will sich aus Kummer selbst erlösen und sich in die Klinge stürzen... wie unsäglich schwach eure Liebe zueinander euch Wesen des Lichts doch macht.“
Aber in diesem Moment, bevor der Bildschirm den scheinbar unausweichlichen Tod des blonden Mannes zeigen konnte, löste sich dieser aus seiner Umgebung, verschwand aus dem Bild und das Schwert, das eben noch seine Brust berührt hatte, fiel einfach zu Boden. Der Mann war verschwunden. Der Bildschirm des Teleporters wurde schwarz und aus den Tiefen der Maschine kam eine blecherne Stimme: „Transport abgeschlossen. Ein interplanetarer Transport, zwei Wesen. Drei extraterrestrische Transporte, drei einzelne Wesen. Ankunft Eternia in wenigen Stunden. Ankunftsorte nicht berechenbar. Zufallskomponente aktiv.“

Skeletor lehnte seinen Stab an die Wand hinter sich und beugte sich über dieses Transportgerät. Drei extraterrestrische Transporte. Dieser Mensch und die Zauberin hatten es also noch geschafft, dachte er. Sie haben ihre Helden gerufen, von denen ich sie zuvor habe sprechen hören. Helden, dachte er, Helden wie diesen, der den Freitod wollte. Er betrachtete den Teleporter genauer, ließ seine Klauen über die Panele wandern. Diese Maschine kann also Helden rufen. Er griff sich wieder seinen Stab und legte die Hörner des Widders an die Maschine. Dann kann diese Apparatur sicher auch andere Wesen rufen. Kinder der Nacht. Kreaturen des Zorns. Ungezähmte, die nur ich unterwerfen kann.
Nicht, dass es ihm nach Unterstützung verlangte. Aber es würde ihm gefallen, Diener zu haben. Er ließ die Magie durch sich fließen und auf dem Bildschirm erschien das Bild eines Menschen, dessen Augen von einem Visor mit drei Objektiven bedeckt waren und der mit einem langen Zweihandschwert gerade ein Massaker in einem Dorf zwischen einfachen, offenbar unbewaffneten Bauern anrichtete. Im Moment stach er einer schwangeren Frau die Klinge direkt auf Nabelhöhe in den vollen Leib. Bei dem grausamen Anblick begannen Skeletors rote Augen zu funkeln. „Einer“, murmelte er, als könne er mit der Maschine vor sich sprechen. „Nun zeig mir den Herrn der Bestien. Und den gefallenen Gott der Meere.“
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BeitragThema: Re: Wie alles begann...   Mo Nov 24, 2008 6:45 am

Kapitel 3: Verlorene Helden

Die junge Kriegsherrin durchmaß die Weite der Steppe vor sich mit dem federnden Schritt eines ausdauernden Läufers. Die straffe Muskulatur ihrer Beine und ihr gleichmäßiger, ruhiger Atem verrieten, dass sie in der Lage war, ihre hohe Geschwindigkeit für Stunden, vielleicht sogar Tage zu halten. Sie trug ein einfaches, sehr kurzes Gewand aus Leinen, das von den braunen, abgewetzten Riemen ihres ledernen Harnisches eng an ihre schlanke aber dennoch kräftige Statur gedrückt wurde. Ihr goldbraunes, schimmerndes Haar reichte ihr weit über die Schultern und wurde von einem Streifen Schlangenhaut zusammengehalten. Elegant gearbeitete Schmiedearbeiten aus Kupfer, von zahlreichen Schwerthieben und abprallenden Pfeilspitzen gezeichnet, waren in ihren Lederharnisch eingearbeitet.
Sie trug in der Rechten einen langen Stab, dessen Spitze von der kunstvollen Nachahmung eines Schlangenkopfes aus Bronze verziert wurde. An ihrer Hüfte hing ein Schwert in einer groben Scheide und über ihrem Rücken trug sie einen Bogen und einen Köcher mit Pfeilen.

Finde den höchsten Punkt, sagte sie sich und hörte damit auf den klaren Instinkt der Kriegerin in ihr, der in dieser seltsamen Situation, in der sie sich befand, sofort die Kontrolle über sie übernommen hatte. Finde den höchsten Punkt, sieh dich um, erkunde die Umgebung und suche dir einen sicheren Platz für die Nacht.

Tee-La hatte den Dimensionssprung des Teleporters wie einen einfachen Schritt entlang des Weges erlebt, im völlig nüchternen, wachen Zustand. Tatsächlich war für sie nur ein Moment vergangen, während hier auf Eternia der Tag inzwischen die Nacht besiegt hatte. Sie war auf ihrem Heimatplaneten auf dem Weg zu den Koppeln gewesen, um sich um ihr Pferd zu kümmern, dass nach der letzten Schlacht noch immer seine Schutzpanzerung trug. Hatten ihre kniehohen Fellstiefel gerade noch Spuren im Matsch des Feldlagers hinterlassen, so stand sie nach einem kurzen, grellen Aufblitzen von hellstem Licht plötzlich auf verkümmerten, braunen Gras, allein inmitten dieser weiten, kargen Steppe, die sie auch jetzt noch umgab. Und noch während ihr Geist sich selbst tausend Fragen gestellt hatte, was wohl mit ihr geschehen sei und die Priesterin in ihr danach flehte, die Götter um Rat zu bitten, hatte der Überlebenswille und der Kampfgeist der Kriegerin die Macht über sie übernommen. Die Gegend erkunden. Für Deckung sorgen. Nahrung beschaffen. Wasser finden. Und die Umstände einfach annehmen.

Die Umstände annehmen - das war es, was sie getan hatte. Natürlich brannten die Fragen nach dem warum und wie sie hierher gekommen war noch immer in ihr. Aber diese Fragen mussten Zeit haben. Sie wusste nicht, wo sie sich befand, und wenn es nach der Kriegerin in ihr ging, konnte im nächsten Moment eine wilde Horde Barbaren über sie herfallen und sie unvorbereitet und schutzlos überwältigen, sie töten oder zuvor noch weit schlimmeres mit ihr anstellen. Weit schlimmeres, denn viele wilde Stämme begehrten die Körper der schönen Amazonen ihres Volkes und frönten ihrer Lust, bevor sie die geschändeten Leiber in Streifen schnitten und ihren grausamen Göttern opferten. Und sie, Tee-La, die einzige, die seit Anbeginn der Erinnerungen ihres Volkes sowohl von den Göttern zur Priesterin als auch von der Königin zur Kriegerin berufen worden war, war die Schönste von allen. Priesterin und Kriegerin. Sie war beides. Und nichts. Denn sie gehörte wahrhaft weder zu den einen noch zu den anderen. Sie war allen unheimlich. Niemand duldete sie, die Außenseiterin. Und daher war sie schon immer so einsam, wie diese Gegend, die sie jetzt durchmaß.

Den höchsten Punkt suchen. Sie musste wissen, wieweit diese karge Landschaft reichte, sie musste einen Fluss oder See finden und bestenfalls Wälder ausmachen, in denen sie sich während der irgendwann mit Sicherheit hereinfallenden Nacht verbergen konnte. Sie wusste nicht, wie lange die Tage auf dieser Welt waren. Sie wollte vorbereitet sein. Seit einiger Zeit zeichnete sich nun am Horizont eine Erhebung ab, auf die sie zulief. Ihr Brustkorb hob und senkte sich ruhig im Takt ihrer weiten Schritte. Immer abwechselnd ließ sie für eine Zeit eines ihrer Beine mehr ihres Gewichts tragen. Auf diese Weise war sie in der Lage, nahezu grenzenlos lange mit der Geschwindigkeit eines schnell trabenden Pferdes zu laufen. Hatte sie die Erhebung vor sich zunächst nur als eine Art Schatten erkannt, konnten ihre scharfen grünen Augen mittlerweile einen Hügel ausmachen, auf welchem die Ruinen eines alten Turmes zu stehen schienen. Bauwerke, dachte sie. Menschen. Oder andere Wesen, die in der Lage waren, Bauwerke zu errichten. Was waren das wohl für Wesen? Und hatte sie ihnen ihre Ankunft hier zu verdanken? Was sollte sie nur hier? Was wollte man von ihr? Später, sagte sie sich. Die Antworten würden gefunden werden. Die Fragen mussten Zeit haben. Sie lief noch etwas schneller.

Den höchsten Punkt finden. Deckung suchen. Sich umsehen, die Gegend kennen lernen. Und das Wichtigste: Vorbereitet sein. Auf alles. Tief in sich verspürte Tee-La die Gewissheit, dass hier, auf diesem Planeten, auf dieser Welt, ihr Schicksal sich erfüllen würde – das Schicksal, auf dass ihr ganzes bisheriges Leben sie vorbereitet zu haben schien. Ein gazellenartiges Wesen sprang aus einer Senke vor ihr auf und suchte sein Heil in der Flucht. Aber schon einen Augenblick später lag ein Pfeil auf der Bogensehne. Die Priesterin in ihr dankte den Göttern für die Gabe dieses Tieres. Die Kriegerin in ihr dachte nur daran, ruhig zu zielen. Über dem Vorderlauf, ein Stück Richtung Schweif. Schuss. Direkt ins Herz.
Irgendetwas riss Stratos aus der Trance, in die er sich wie stets zu den Stunden der Dämmerung mitten im Flug versetzt hatte, hoch über den Bergen seiner verwaisten Heimat. Er öffnete langsam und der Welt noch entrückt seine Augen unter den kristallinen Gläsern seines Sichtschutzes. Was war geschehen? Woher kam dieses seltsame Gefühl? Es kam ihm vor, als wäre er für einen Moment in der Zeit gefangen gewesen und das Universum um ihn herum habe in diesem einen Moment tausende Zeitalter hinter sich gebracht. Lag es an der Trance? War er diesmal tiefer in die Meditation versunken denn jemals zuvor? Nein, es musste eine andere Erklärung geben.

Stratos wandte den Kopf nach allen Seiten. Unter sich sah er kein Land und auch um sich herum konnte er nicht das Geringste erkennen, denn er flog gerade durch eine dichte, sturmgraue Wolke, die ihm jegliche Sicht nahm. Nach oben, sagte er sich, nach oben. Nach oben zum Licht. Eine wilde Sehnsucht ihn ihm verlangte nach dem Trost der Sonne. Aber schon während er seinen Rücken durchdrückte, die Arme an den Körper legte und so mit immer weiter steigender Geschwindigkeit den oberen Himmelsschichten entgegenraste, wusste der Vogelmensch, dass er nicht mehr in seiner Heimat war. Die Luft schmeckte anders. Der Wind sang mit fremden Stimmen in seinen Ohren.

Haben meine Vorfahren mich endlich zu sich gerufen, mich, den letzten der Himmelsherren? Oder haben mich die Einsamkeit des verlassenen Klosters und die ewige Trauer um mein verlorenes Volk nun endgültig in den Wahnsinn getrieben? Fragen wie diese schossen Stratos durch den Kopf. Was geschah hier nur? In diesem Moment durchbrach er die Wolkengrenze, tauchte in die licht durchflutete Weite der oberen Hemisphäre und raste wie ein blaugrauer Pfeil über den weißgrauen Teppich der Wolken. Stratos genoss die wärmenden Strahlen der Sonne, hüllte sich darin ein – aber nur für einen Augenblick, denn das Unübersehbare war nicht zu leugnen: Das dort am Horizont vor ihm war nicht Ikaros Sonne, nicht die rötliche Sonne seiner Heimatwelt. Viel zu groß, zu weißgelb in ihrem Lichte und viel zu nah war sie dafür. Diese Sonne vor ihm, die ihn, den einsamen Fremdling jetzt so gnädig in ihre Arme nahm, beschien eine andere Welt, tief unter ihm, von der er nichts wusste.
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BeitragThema: Re: Wie alles begann...   Mo Nov 24, 2008 6:45 am

Wo, im Namen der vier Winde, bin ich nur?, dachte er. Und wie bin ich hierher gekommen? Er fand in seinen Gedanken keine Antworten auf diese Fragen. Und er wusste, er würde sie nicht über den Wolken finden. Also knickte er seinen muskulösen Körper in der Mitte ein, streckte dann die Beine hoch über den Kopf und tauchte mit nach vorne gestreckten Armen zurück in die Masse der Wolken wie ein Seeadler in das Meer. Seine Hände waren zu Fäusten geballt. Die winzigen, glänzenden, anthrazitgrauen Federn auf seinen Armen und in seinem Gesicht legten sich im Gegenwind eng an seine noch einen Ton dunklere Haut an. Der blau gefärbte Harnisch, gefertigt aus dem dicken Leder der uralten Steppenbüffel, die in gewaltigen Herden über Ikaros Prärien zogen, schützte seinen breiten Brustkorb vor der Kälte, die in den Wolken herrschte. Wie ein Falke im Sturzflug raste er der unbekannten Welt unter ihm entgegen.
Ich habe hier eine Aufgabe zu erfüllen, dachte er und konnte noch im selben Augenblick nicht sagen, woher diese Einsicht kam. Aber er fühlte, seine spirituelle Suche hatte ein Ende. Er war an seinem Ziel angelangt. Hier würde er die Antwort auf die Frage bekommen, die ihn seit einigen hundert Jahren beschäftigte: Warum bin ich nicht mit dem Rest meines Volkes der Seuche zum Opfer gefallen und warum bleibt mir die Gnade des Todes nun schon seit so unendlichen Zeiten versagt? Ja, hier würde er die Antwort bekommen. Nichts würde mehr so sein, wie es war.
Eine neue Zeit stieg über einen neuen Horizont.
Anasaria. Geliebte Anasaria. Verzeih mir, dass ich dich schutzlos zurückließ. Dass ich auszog, meine Bestimmung zu finden, meine große Bestimmung, die mir die Ältesten seit meiner jüngsten Jahre prophezeiten. Ich ging auf die Suche und du wurdest gefunden, vom Tode, der dich mir genommen hat. Während meines ganzen Lebens kam ich nie zur Ruhe, kein innerer Frieden war mir vergönnt, nur in den wenigen gesegneten Stunden der Nacht, in denen ich an deiner Seite alles vergaß. Und dennoch konnte ich nicht bei dir bleiben, die gleiche Kraft, die mich vor Jahren weg von meinem Dorf und meinem Stamm in die Wildnis getrieben hat, drängte mich, auch dich zu verlassen, drängte mich weiter, immer weiter, auf ein Ziel und ein Schicksal zu, dass ich nie kannte und nun auch nie kennen lernen werde. Denn ich bin müde, Anasaria, so müde. Ich möchte mich zu dir legen, ins Feuer, zu dir, in die ewige Nacht oder ins Licht des neuen Lebens, das vielleicht nach dem Tode auf uns wartet. Meine Kraft ist geschwunden, Anasaria. Meine große Bestimmung? Nie traf ich einen Weisen, einen Mystiker oder einen Propheten, der mir sagen konnte, wo diese Bestimmung zu finden sei. Die Suche nach meinem Schicksal ist ein dunkler Pfad, ohne Licht am Ende und ich kann diesen Weg nicht mehr gehen, Anasaria. Ich weiß nicht, wohin er führt. Und wenn ich auch nicht wahrhaft weiß, was nach dem Tode mit uns geschieht, so weiß ich doch, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen. Ich komme, Anasaria. Warte auf mich.
Der blonde Hüne sog tief den Atem ein, spürte den Druck der Schwertspitze auf seiner Brust, konzentrierte all seine Gedanken auf die Erinnerung des herrlichen Antlitzes seiner toten Gefährtin, deren brennender Leichnam Schatten auf sein Gesicht warf.
Ich komme, dachte er noch einmal und warf sich mit all seinem Gewicht nach vorne, erwartete den scharfen Schmerz und den süßen Kuss des Todes, der ihn aus dieser bitteren Welt befreien würde.

Aber kein harter Stahl bohrte sich zwischen seine Rippen, sein Herz wurde nicht von der kalten Klinge durchstoßen. Er sah nur ein weißes, strahlend helles Licht aufblitzen und im nächsten Augenblick landete er mit dem Gesicht im heißen Sand. Sand?, dachte er für einen Augenblick und misstraute seinen Sinnen. Dann gruben sich aber auch seine Hände zwischen die warmen, groben Körner, als er sich wieder in die kniende Haltung drückte. Das weiße Licht vor seinen Augen war verschwunden, aber dennoch konnte er zunächst nicht viel erkennen, da eine flach stehende, große Sonne unbarmherzig und sengend von einem weiten, wolkenlosen Himmel auf ihn herunter brannte. Er kniff die Augen zusammen. Dünen. Meere von Dünen. Er drehte den Kopf. Soweit er sehen konnte, sah er nichts außer den welligen Hügeln von Sanddünen. Wo bin ich?, fragte er sich. Welche Hexerei ist hier geschehen?

Immer noch kniend tastete er seine Brust nach Verletzungen ab. Vielleicht hatte er in seiner Trauer den Schmerz des sich in ihn bohrenden Schwertes nicht verspürt und dies hier um ihn herum, diese leblose, trockene Landschaft, war das Reich des Todes. Aber wo war dann Anasaria? Er fand keine Verletzungen auf seiner Brust. Er streifte die Decke ab, die immer noch um seine Schultern lag und stand langsam auf. Seine wadenhohen Fellstiefel gruben sich in den Sand. Er ging ein paar Schritte bis zum Kamm der Düne und sah sich erneut um. Er kannte Wüsten, hatte sie schon durchquert, auf der Suche nach seinem prophezeiten Schicksal.
„Zu Großem ist euer Sohn auserkoren, mit den Größten aller Welten und Zeiten wird er sich im Kampf vereint finden und in den tiefsten aller Abgründe wird er blicken, wenn er sich IHM in den Weg stellt.“ Diese Worte hatten die Ältesten seinen Eltern bei seiner Geburt verkündet. Und sein Leben lang hatte er sich bemüht, diesem Ruf zu Höherem zu folgen, da er ihn auch stets tief in sich selbst hatte widerhallen hören. Aber nur Einsamkeit und Trauer hatte ihm dieses Schicksal bisher beschert. Anasaria. Meine Liebe. Sprich zu mir. Wo bin ich? Warum bin ich hier?

Und in diesem Augenblick drang mit dem heißen Wüstenwind eine Flut von Bildern und Schreien in seinen Kopf, die ihn von seinen muskulösen Beinen riss. Er sah weinende Kinder, Berge von Toten, sah Leichen in Bäumen hängen, den Geiern zum Fraß vor geworfen, er sah ein Kloster in strahlend weißen Bergen, die Fratze eines riesigen, menschenähnlichen Affen mit fingerlangen Reißzähnen, er sah eine junge Kriegerin mit goldbraunen Haaren auf einem nachtschwarzen Pferd, er sah eine Burg, deren Front einem Totenkopf glich, er hörte einen Schrei, „Graaaayskuuuuuulll“, und er sah ein großes, mächtiges Schwert dessen massiver, schwarz geschmiedeter Griff in eine strahlend silberne Klinge überging, in welche die Blitze eines tosenden Gewitters einschlugen. Und dann sah er IHN. Er wusste, er hatte seinen Gegner gefunden, auch wenn er sich nie zuvor ein Bild von ihm hatte machen können. Es war das abscheulichste Wesen, das er jemals erblickt hatte, gehüllt in einen zerrissenen, blauen Mantel. Rote Augen leuchteten unter einer Kapuze und ein höhnisches Lachen hallte wie die Glocken eines Wachtturms durch seinen Geist. Und dieses Lachen drohte ihn in den Wahnsinn zu treiben, so laut schallte es durch seinen gequälten Verstand.

„Aufhören“, schrie der Krieger in die Leere um ihn herum. Er hielt sich den Kopf, bedeckte mit seinen großen Händen seine Ohren. „Aufhören, verschwinde aus meinem Kopf!“
Und das letzte, dass er wahrnahm, bevor ihn die Ohnmacht aus seiner Qual erlöste, war die Stimme Anasarias, die das Lachen vertrieb und sanft und ruhig zu ihm sprach: „Dir war nicht bestimmt, mich zu retten oder mir zu folgen, großer Krieger. Mein Weg war nicht der Deine. Und dennoch haben wir beide jetzt unser letztes Ziel erreicht, wenn auch ich im Tode und du im Leben. Aber leben musst du, großer Krieger. Lebe! Lebe und erfülle dein Schicksal. Hier, auf Eternia, der Hüterin der Ewigkeit.“

Die Sonne brannte auf den Krieger herab, der glühende Wüstenwind brachte keine Erleichterung. Als er Stunden später, in seinen Schweiß gebadet und mit trockenem Mund erwachte, erinnerte er sich der schrecklichen Bilder, aber vor allem auch der letzten Worte, die seine Gefährtin aus einer anderen Welt zu ihm gesprochen hatte. Und sofort erinnerten seine Muskeln sich ihrer alten Kraft. Alle Schwäche, alle Befangenheit, alle Unsicherheit fiel von ihm ab. Er sah sich erneut um, entdeckte in Richtung der sinkenden Sonne ein fernes Glitzern im Wüstensand und lief ohne weiteres Zögern mit mächtigen Schritten darauf zu.

Zum ersten Mal seit einer langen Zeit vertraute er, Katai, aus dem Stamme der Krieger von Krom, wieder auf die Prophezeiung seiner Stammesältesten und spürte die Gewissheit in sich, dass es ab nun nicht mehr wichtig sein werde, welchen Weg er beschritt – seinem Schicksal konnte er nicht entgehen. Und bei dem Gedanken an das dunkle Wesen mit den roten Augen merkte er, wie seine Hände sich unwillkürlich zu Fäusten ballten. Waffen, dachte er, ich werde Waffen brauchen. Und Wasser. Schweiß lief ihm beim Laufen in die Augen und er kniff sie für einen Moment zusammen. Vor den geschlossenen Lidern sah er das Gesicht des alten Mystikers vor sich, der ihm in den Höhlen von Urunum Kalar vor einigen Jahren von der Legende des letzten großen Kampfes berichtet hatte. He-Man, dachte Katai. He-Man, der Auserwählte. Vielleicht ist dies auf dieser neuen Welt nun wirklich mein neuer Name.
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BeitragThema: Re: Wie alles begann...   Mo Nov 24, 2008 6:46 am

Sooo und auch hier gilt, wer Lust hat darf ruhig weiter schreiben^^
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